So lernt man Land und Leute kennen

Grünkohl bei 40 Grad: Hella Buschendorf drei Monate freiwillig im Dienst in Mittelamerika

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In Costa Rica half die 25-Jährige jungen Schülern bei den Hausaufgaben, spielte mit ihnen und sang auch Karaoke.

Tangerhütte. Lebendig ist das Lernen, besonders einer Sprache, wenn man sich auf den Weg in ferne Länder macht. Nicht mit einem „all-inclusive-Angebot“ – dort lerne man das Land und vor allem die Leute nicht so kennen, wie sie wirklich ticken.

Hella Buschendorf wagte 2010 das erste Mal als Praktikantin, während ihres Studiums der Kindheitswissenschaften, allein über den Tangerhütter Tellerrand zu schauen. Damals sprach sie mit der AZ über ihre Erfahrungen, die sie in Ecuador machen konnte. Sie wagte es noch einmal. Kann nun von drei Monaten Freiwilligendienst in Mittelamerika berichten.

In Nicaragua arbeitete die 25-Jährige für die Organisation „Carita Feliz“. Vorschulkinder sowie Mädchen und Jungen der ersten Klasse bauten mit ihrer Hilfe Kenntnisse der englischen Sprache aus. Mit Kindern hat sie auch in ihrer aktuellen beruflichen Wirkungsstätte zu tun. Zu dieser konnte sie nach ihrer Auszeit glücklicherweise zurückkehren und arbeitet in Tangerhütte als Erzieherin im Krippenbereich. Eine Betreuungsform, die es in Lateinamerika so nicht gebe, da Kleinkinder erst in den Familien bleiben, um dann in der Vorschule gleich zu lernen. Wenn sie nicht, wie es in Nicaragua der Fall sein kann, den Eltern beim Arbeiten helfen. Eine Schulpflicht gibt es dort nicht.

In Costa Rica betreute Hella vormittags Kinder im Alter von acht Monaten bis 13 Jahren, spielte mit ihnen, half bei den Hausaufgaben, sang mit den jungen Menschen Karaoke. Einen tiefgründigen Kulturaustausch gab es jedoch vor allem innerhalb der Gastfamilien. „Meine Mutter hatte mir ein Paket nach Nicaragua geschickt“, erinnert sich Hella. „Bei 40 Grad macht Glühwein keinen Sinn“, auch nicht zum Probieren. Trotzdem schmeckten die Kekse, der Lebkuchen und der Grünkohl für die Mikrowelle in der Weihnachtszeit etwas nach Heimat. Jene, die die Tangerhütterin zum ersten Mal am 24. Dezember, verlassen hatte. „Heiligabend habe ich dann noch ein wahres Gourmetessen für meine Gastfamilie zubereitet.“ Es gab einen deutschen Klassiker – Kartoffelsalat mit Würstchen. Wenn es nur eingelegte Gurken zu kaufen gibt, die für Hot Dogs gedacht sind, wird es schwierig, 20 Leute satt zu machen. Zumal ein Gurkenglas umgerechnet fünf Euro ausmachte.

Diese und andere gemachte Erfahrungen würde sie nicht missen wollen. Wenn es um das Auswandern geht, dann müsste aber die ganze Familie mit. „Mein Papa hätte aber was dagegen.“ Die nächste Reise ist schon geplant.

Von Alexander Postolache

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