Junger Afghane bereichert nicht nur das Vereinsleben

Freude beim VfB "Elbe" Uetz: „Ali ist spielberechtigt!“

+
Kopfballstark sind beide: Der Uetzer Vereinsvorsitzende Marco Lust (l.) freut sich über den Neuzugang beim VfB. Der 23 Jahre junge Afghane Ali Rezaei Munir erhielt gestern seine Zulassung vom Deutschen Fußballbund.

Uetz. Donnerstag, 26. Mai 2016: Ali Rezaei Munir ist seit gestern offiziell Stammspieler des VfB „Elbe“ Uetz. „Die Freigabe vom DFB ist da. Ali ist spielberechtigt!“, freut sich der Vereinsvorsitzende Marco Lust über die Spielberechtigung des Deutschen Fußballbundes.

Ist diese Entscheidung eine besondere? Die Antwort kann mit einem „Ja“, aber auch mit einem „Nein“ beantwortet werden.

Für die Kicker im südlichsten Eck des Landkreises Stendal ist es normal, Spieler im Kader zu haben, die keinen deutschen Pass besitzen. „Zu DDR-Zeiten spielten bei uns sowjetische Soldaten aus der nahen Kaserne bei Mahlwinkel mit“, erinnert sich Lust. Später waren es Vietnamesen und Männer aus Mosambik, die im Gutshaus von Kehnert lebten, im Eisengusswerk von Tangerhütte arbeiteten. Und auch ein rumänischer Austauschschüler bereicherte mit seinem Talent einst die A-Jugend der Fußballer, deren Herren aktuell auf dem neunten Platz der Kreisoberliga in dieser „verletzungsbedingt wechselhaften“ Saison stehen. Umso mehr ist jeder interessierte, talentierte und begeisterte Spieler willkommen, egal, welcher Nationalität er angehört.

Auf und außerhalb des Platzes fühlt sich Ali wohl.

Im Fall des 23-jährigen Afghanen, der seit Dezember in Uetz lebt, ist die Zugehörigkeit zur Region und die Aufnahme in den Verein im April schon etwas Besonderes. Zumindest sind es die Umstände. Gemeinsam mit seiner Frau Khatereh war er gemeinsam mit der afghanischen Familie Heidari in die Altmark gekommen. Zwischenstationen lagen zuvor in der Türkei, eine weitere war die Aufnahmestelle in Klietz. Seit der Ankunft in Uetz kümmert sich Familienpatin Sandra Raebel um die neuen Bewohner im Ort. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Stefanie Schubert und weiteren Helfern blieb das Wort „Integration“ nicht nur ein Wunsch. Aufgaben, zum Beispiel in der Grünpflege, übernehmen die Afghanen. Die „Maßnahme“ ist allerdings auf drei Monate begrenzt, endet im Juni und kann nur auf Antrag verlängert werden.

Im Gespräch mit der Patin kam einst heraus, dass Ali früher Hallenfußball für einen Verein in Teheran, Iran, spielte. Der Kontakt zum Sportverein kam dann während einer Faschingsveranstaltung im Januar zustande. Auch wenn die Verständigung oft noch mit Händen und Füßen läuft, die Hilfe auf und außerhalb des Platzes will niemand missen.

Kommentare