„Historisch anmutende“ Technik und Nachwuchssorgen bereiten Kopfzerbrechen

Brennende Fragen bei Ministerbesuch in Tangerhütte

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Über die Probleme der Wehr diskutierten Ortswehrleiter Heiko Steinig-Pinnecke, Minister Holger Stahlknecht, Gemeindewehrleiter Nils Wilhelm und Landtagsabgeordneter Detlef Radke (vorn, v.l.).

ct Tangerhütte. Viele Fragen brannten den Vertretern der Einheitsgemeinde Tangerhütte beim gestrigen Besuch von Innenminister Holger Stahlknecht unter den Nägeln.

In dem Gespräch, dass der Landtagsabgeordnete Detlef Radke (beide CDU) organisiert hatte, ging es um heiße Themen, wie das neue Brandschutzgesetz, die Verwendung der Feuerschutzsteuer, Fördermöglichkeiten für die Anschaffung von Fahrzeugen, die Nachwuchsgewinnung der Blauröcke und vieles mehr.

Hauptamtsleiter Henschel (M.) machte die Herausforderungen deutlich, vor denen die Einheitsgemeinde steht.

Hauptamtsleiter Marco Henschel konfrontierte den Gast mit den Problemen, vor denen die Einheitsgemeinde steht, um die Pflichtaufgabe des Brand- und Katastrophenschutzes zu erfüllen. Um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren aufrecht zu erhalten, müssten in den kommenden fünf Jahren allein 1,5 Millionen Euro in die Technik investiert werden, sagte er. Von den 32 Einsatzfahrzeugen der Ortsfeuerwehren in der Einheitsgemeinde seien nur zwei jünger als zehn Jahre, 17 bis 20 Jahre alt und der Rest „historisch anmutend“, wie es Stahlknecht formulierte.

„Eine Gemeinde sollte in der Lage sein, ihre Feuerwehren ohne Landesmittel zu unterhalten“, sagte der Minister. Da das derzeit vielen nicht möglich ist, wolle die Landesregierung künftig 70 Prozent der Erträge aus der Feuerschutzsteuer (landesweit 11,5 Millionen Euro) den Gemeinden zukommen lassen, 30 Prozent sollen die Landkreise erhalten. Die Verhandlungen darüber mit dem Finanzministerium liefen.

Das neue Brandschutzgesetz, das zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten soll, bringe zudem Entlastungen für die Arbeit der freiwilligen Einsatzkräfte. So sollen die Feuerwehren künftig nicht mehr für die Säuberung von Straßen bei Ölspuren zuständig sein – diese Aufgabe werde von Firmen erledigt. Für die Behinderung im Einsatz droht ein happiges Bußgeld. Außerdem wird die mögliche Dienstzeit von 65 auf 67 Jahre erhöht. Wer älter ist, könne auch weiter aktiv in der Feuerwehr sein, müsse dann aber ein ärztliches Attest vorlegen.

„Das ist ein positiver Ansatz, der praktisch allerdings nicht viel bringt“, sagte Ortswehrleiter Heiko Steinig-Pinnecke. „Wer kann und will nach einem langen Arbeitsleben noch im anstrengenden Einsatzdienst mitmachen?“ Wichtiger sei die gezielte Förderung und Einbeziehung der Jugend. Bestimmte, leichte Einsatzaufgaben könnten auch bereits von 16-Jährigen erledigt werden. Bisher liegt das Mindestdienstalter bei 18. Das würde die jungen Leute motivieren, der Feuerwehr die Treue zu halten. Viele würden sich nach der Ausbildung in der Jugendfeuerwehr verabschieden.

Dass das oft berufliche oder andere persönliche Gründe hat, merkte Stahlknecht an. „Wer im Ruhrpott ein Mädchen kennenlernt und nach der Lehre zu ihr ziehen will, ist kaum zu halten“, sagte er. Das Thema Demografie sei ein brennendes Problem, nicht nur bei der Feuerwehr.

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