Migrantenkinder in Grundschule Grieben: Fokus auf Sprache und geregelten Tag

Bleiben die eigenen Kinder auf der Strecke?

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Annett Kaiser-Wenzlau, Björn Malycha, Andreas Brohm, Dr. Ulrike Bergmann, Dr. Denis Gruber, Professor Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya und Benjamin Ollendorf (v.l.n.r.).

Grieben. Sie hat Angst, dass ihre Tochter bei der Beschulung von Migrantenkindern in der Griebener Grundschule auf der Strecke bleiben könnte.

Als Mutter befürchtet sie, dass die Klasse ihren Lehrplan nicht schafft, wenn Flüchtlingskinder ohne oder mit wenigen Deutschkenntnissen plötzlich dem Unterricht folgen sollen und der Fokus dann nur noch auf den Flüchtlingskindern und deren Sprachdefiziten liegen wird.

Annett Kaiser-Wenzlau, derzeitige Direktorin der Grundschule, hatte Eltern und Fachreferenten zu einem Informationsabend eingeladen und erklärte, dass die Kinder, die oftmals auch Schreckliches erlebt haben, in erster Linie einen geordneten Tagesablauf kennenlernen sollen. Die Erreichung des Klassenzieles sei für die Flüchtlingskinder nicht oberste Priorität, sondern die Integration und das Erlernen der Sprache. Wegen schwebender Asylbewerberanträge sei es oft ungewiss, wie lange die Kinder überhaupt in der Schule bleiben. „Ich gebe ihnen Brief und Siegel drauf, in einem halben Jahr haben die Kinder die Sprache drauf“, ergänzte der Integrationskoordinator des Landkreises Björn Malycha. Er habe bisher nur die Erfahrung gemacht, dass die in Stendal aufgenommenen Flüchtlinge sehr willig sind, die Sprachbarrieren schnell abzubauen. Dem stimmte Dr. Denis Gruber, 1. Beigeordneter des Landrates und Schuldezernent im Landkreis Stendal, zu und meinte: „Die Befürchtungen, sind unbegründet.“

Ganz zufrieden ist die Mutter mit den Antworten immer noch nicht. Sie ist trotzdem der Ansicht, dass die Flüchtlingskinder zumindest einige Grundkenntnisse in der deutschen Sprache besitzen sollten. „Das heißt aber nicht, dass die Kinder hier nicht willkommen sind“, betonte sie nachdrücklich.

Marc Kundes Tochter geht in die 2. Klasse und hat bis zum Schuljahresende aufgrund der Erkrankung einer Lehrerin kein Musikunterricht mehr. Er befürchtet, dass die Lehrerinnen der Griebener Grundschule mit der Aufgabe allein gelassen werden. Dem entgegnete Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya, Dozentin für Kindheitswissenschaften an der Hochschule Magdeburg-Stendal: „Es gibt genügend Studenten, die die Hausaufgabenbetreuung überwachen und den Kindern Deutsch beibringen. Es gibt auch die Möglichkeit von Praktika zur Unterstützung.“

Bis zum Ende des Jahres werden laut Malycha in Stendal rund 1 000 bis 1 200 neue Migranten, meist Familien mit Kindern aus Syrien, Afghanistan, Iran oder Irak erwartet. Die Stendaler Grundschulen sind gemäß Gruber an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen, sodass sich der Landrat nach Alternativen umsehen musste. Als Ausweichstandorte wurden bei den Grundschulen Arneburg, Lüderitz, Grieben und Börgitz ausgesucht, wobei die Flüchtlingskinder auf die Schulen in dieser Reihenfolge verteilt werden sollen.

Die Griebener Grundschule steht damit an dritter Stelle. „Da wir keine verlässlichen Zahlen haben, was die Flüchtlingsströme angehen, können wir auch nicht genau sagen, ab wann genau die Kinder die Grundschule hier besuchen. Vermutlich ab Januar oder Februar des nächsten Jahres“, ergänzte Gruber.

Von Maren Maatz

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