„Weiß nicht, was das Ziel sein soll“ / Hoffen auf „Impulse“

Was das „AltmarkMacher“-Festival konkret bringt, ist vielen noch unklar

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Beim „Neuen Schloss“ Tangerhütte soll das AltmarkMacher-Festival stattfinden. Akteure aus Wirtschaft, Politik, Kunst, Natur und vielem anderen sind eingeladen. Und alle interessierten Bürger. Bis auf einen Tag müssen sie dafür aber Eintritt bezahlen.

Tangerhütte. Zu viele Adjektive. Marcus Graubner, Chef der CDU in Tangerhütte, wühlt sich durch die Ankündigung des „AltmarkMacher“-Festivals, das Mitte Juni in Tangerhütte am Neuen Schloss stattfinden soll. Was da steht, klingt blumig.

Was er damit anfangen kann? „Gar nichts“, sagt er. „Wer ist da eigentlich Zielgruppe?“ So ähnlich wie Graubner geht es manchem Tangerhütter und Stadtrat. Kaum einem ist konkret klar, was dort passieren soll. Aber manche versprechen sich immerhin „Impulse“.

Jan Bredack, Gründer einer veganen Supermarktkette.

„AltmarkMacher“ wirbt mit Sätzen wie: „Einen Tag lang vermitteln Macher und Gestalter facettenreiche Möglichkeiten, die die Altmark bietet. Interessante Podiumsdiskussionen, spannende Keynotes und wertvolle Workshops zu den vier Handlungsfeldern Wirtschaft und Unternehmen, Erfolg und Karriere, Natur und Kultur sowie Leben in der Altmark geben Ihnen wirkungsvolle Impulse.“ Kurz: Da reden Leute miteinander. Nur welche? Und worüber genau? Klar ist: Bundes-Bildungsministerin Dr. Johanna Wanka wird da sein, ebenso Jan Bredack, Gründer von Deutschlands einziger veganer Supermarktkette. Aber die weiteren Erklärungen bestehen aus Formulierungen über das „Netzwerken“, also das Knüpfen von Kontakten, und Ankündigungen von Essensangeboten.

„Immer dieselben Leute“

„Wir haben so viele Netzwerke und in Wirklichkeit sind es doch immer nur dieselben Leute“, meint Graubner. Dass der Konferenztag dann noch 45 Euro Eintritt kosten soll, könne dafür sorgen, dass „der normale Altmärker dort nicht kommen wird“. Aber Graubner räumt auch ein: „Wenn was dabei rauskommt, ist es gut.“ Lieber wäre ihm aber, wenn Verwaltung und Haushalt in Ordnung gebracht würden. „Und wenn man dann Visionen hat, sollte man alle mit ins Boot holen. Vielleicht bin ich ja etwas provinziell“, so Graubner, „aber jemand muss ja diese genialen Visionen auch bezahlen.“

Edith Braun von der Wählergemeinschaft Lüderitz fühlt sich ebenfalls nicht umfassend informiert. Einheitsgemeindebürgermeister Andreas Brohm, der im Organisationsteam ist, habe zwar grundlegend erklärt, worum es gehen soll, aber „es ist nicht recht griffig, was das Ziel sein soll“, meint sie. Sie bezieht das Festival auf Brohm und ihn lobt sie: „Er ist ein Medienmensch und er versucht, Aufmerksamkeit zu wecken für unsere schwache Region“, sagt sie. Immerhin: Brohm hat es in den vergangenen Monaten immer wieder geschafft, Tangerhütte mit guten Nachrichten in nationalen Medien zu platzieren. Aber nun dieses Festival: 45 Euro für etwas, das bisher von zwei Promi-Namen und aus ihrer Sicht „geschwollenen Schlagwörtern“ lebt – „Ich als Ehrenamtlerin gehe da nicht hin.“

Bodo Strube, „Linken“-Fraktionschef im Stadtrat, vertraut darauf, dass das Festival etwas bringt: „Es ist ein Symposium zur Frage, was man aus der Altmark machen kann. Da bildet sich vielleicht eine Ausrichtung heraus“, meint er. Dass das Festival parallel zum Parkfest stattfindet, könne dafür sorgen, dass es Austausch gibt. Zum Preis meint er: „Es ist erstmal für Leute interessant, die damit zu tun haben.“ Strube: „Wenn es so kommt, wie Brohm es sich vorstellt, wird das eine gute Sache.“

Auch Dr. Frank Dreihaupt, Vorsitzender der WG „Südliche Altmark“, hegt Hoffnungen. „Ich erwarte viel Werbung für Tangerhütte und bin heilfroh, dass das Festival zu uns gekommen ist. Man kann nicht allein mit der sogenannten ,Grünen Wiese’ Werbung machen. Wir haben Glück, dass es hier jemanden gibt, der das mit Inhalten füllt.“ Dreihaupt selbst ist Vorsitzender des Vereins „Aus einem Guß“, der die Gießereihallen Tangerhüttes mit Leben füllen will. „Da erhoffe ich mir Impulse. Zum Programm meint er aber auch: „Es könnte konkreter sein.“

Sitzen auf „Goldhaufen“

Janine Koska von der das Festival bewerbenden Agentur „eingebrand“ erklärt, dass das konkrete Programm noch nicht komplett feststehe – obwohl bereits Karten verkauft werden. In der nächsten Woche solle es Genaueres geben. Sie verweist auch auf den Sonnabend des Festivals, bei dem – parallel zum Parkfest – der Eintritt frei ist. Andreas Brohm selbst betont, dass vor allem Vertreter des öffentlichen Lebens oder der Wirtschaft zusammenfassen können, was gut läuft – was man kann und was man könnte. Das Ziel: feststellen, „auf welchem Goldhaufen wir sitzen“.

Von Kai Hasse

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