Havelregion: BUGA 2015 als Muster für kommende Gartenschauen

In zweiter Halbzeit punkten

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Die BUGA 2015 in der Havelregion begeistert an ihren Standorten zwar durchaus die Besucher. Bisher kamen davon allerdings noch zu wenige.

Rathenow. Halbzeit der Bundesgartenschau in der Havelregion (BUGA). Anlass zu einer Zwischenbilanz. Für Jochen Sandner, Chef der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft, ist das Glas nach 85 Veranstaltungstagen halb voll.

Er setzt auf die folgenden Wochen und ist aus Erfahrung zuversichtlich, dass auch BUGA 2015 mit dem erstmalig dezentralen Konzept ein Erfolg wird. Bisher haben sich nicht alle Blütenträume erfüllt.

Insgesamt sind 1,5 Millionen Gäste für den Gesamtzeitraum, 18. April bis 11. Oktober, geplant. Die Besucherzahlen liegen derzeit mit 650 000, zehn Prozent unter den Erwartungen. Das reißt ein Loch in die Einnahmekasse. Rund 35 Millionen Euro kostet die Durchführung der Veranstaltung, 40 Millionen Euro wurden in den Landschaftsbau auf den Geländen investiert. Einen Verlust müssten die Kommunen des Zweckverbandes, Brandenburg/Havel, Premnitz, Rathenow, Amt Rhinow und Havelberg nach Einwohnerzahl anteilig tragen. Der einzige Standort in Sachsen-Anhalt, mit seinen rund 6 500 Einwohnern, wäre also mit knapp sechs Prozent dabei. Gleiches gilt auch für den Fall, dass die BUGA ein Plus erwirtschaftet.

Darauf setzen die Organisatoren nach wie vor. Für die Sommer- und Herbstsaison erwarten sie einen Besucherboom. Ein neues Preissystem (Einzelkarte für 12 Euro und Halbzeitdauerkarte für 45 Euro) soll den beflügeln. Hitzeperiode, Bahnstreik, Unwetter und die unfallbedingte Sperrung des Standortes Rathenow, führte Zweckverbandsvorsitzende, Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dietlind Thiemann als Gründe für die bisher verhaltenen Gästezahlen an. Auch eine eigentlich durchaus positive Erscheinung habe sich rechnerisch negativ ausgewirkt: Die Dauerkarten würden bedeutend stärker genutzt als prognostiziert. Durchschnittlich 16 mal war jeder Ticketbesitzer bereits auf der BUGA unterwegs.

Weniger Besucher, das bedeute weniger Umsatz für die Gastronomen und andere Fremdanbieter, gestand Thiemann ein. Es gebe aber auch echte Gästemagneten, wie die insgesamt 32 Blumenschauen in den früheren Kirchen in Brandenburg und Havelberg oder den mobilen Aussichtsturm Skyliner, der derzeit in Rathenow steht und ab 28. August in Havelberg sein wird. Gerade die kleinen Standorte sind wohl die heimlichen Stars dieser Gartenschau.

Eine „sehr, sehr positive“ Zwischenbilanz zieht Bernd Poloski, Bürgermeister von Havelberg. Die Einwohner der Hansestadt erwiesen sich nicht nur als herzliche Gastgeber, sie genossen selbst das Flair. „Die gesamte Stadt kann sich präsentieren“, ist er begeistert über den Imagegewinn. Den belegt die Besucherstatistik zur Halbzeit. Die BUGA werte die einzelnen Standorte auf, meinten 94 Prozent der Befragten, 92 Prozent hält es für wahrscheinlich, erneut in die Havelregion zu reisen. Die Gartenschau hat die Region bundesweit bekannt gemacht und damit ein Hauptziel bereits erreicht.

Eine BUGA mit diesem Konzept ist einmalig. Fünf Veranstaltungsorte in einer länderübergreifenden Region, das hat es bisher nicht gegeben. Das soll nicht so bleiben. Die nächsten Veranstaltungen finden zwar wieder in Städten statt (2017: Berlin). Im Jahr 2027 soll es aber eine dezentrale BUGA mit fünf Standorten an der Emscher in Nordrhein-Westfalen geben und für 2031 ist ein solches Konzept am Rhein geplant. „Von der Havel lernen“, beschreibt Sandner ein Anliegen für die Gartenschauexperten.

Von Christian Wohlt

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