Kontrollverlust über die Population befürchtet

Wolf: Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere steigt

+

Stendal. „Ich erkenne kein Gefährdungspotenzial für den Menschen“, sagt Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolfsschutz in Arneburg zu einer möglichen Bedrohung durch den Wolf. Von insgesamt 31 Rudeln in Deutschland halten sich laut Berbig fünf in Sachsen-Anhalt auf.

Ein Rudel besteht aus zwei erwachsenen Tieren und bis zu zehn Jungwölfen, wie Berbig im Kreisumwelt-Ausschuss informierte. Gesichtet wurden die Rudel etwa in Altengrabow, in der Colbitz-Letzlinger und der Annaburger Heide sowie in Göritz.

23 Schafe, sechs Gehegewildtiere und zwei Kälber sind laut Berbig die Nutztierverluste in Sachsen-Anhalt im laufenden Jahr. Die Zahl der Nutztier-Übergriffe sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Berbig erwähnte auch 9000 Euro an Entschädigungen, die das Landesverwaltungsamt im Jahr 2014 an Nutztierhalter zahlen musste.

„Die angegebenen Werte sind doch absolute Untergrenzen“, bemerkte Ausschussvorsitzender Uwe Klemm. Aus eigener Jagderfahrung glaube er, dass sich in der Altmark deutlich mehr Wölfe aufhalten, als von Berbig angegeben.

Bevor der Wolf bejagt werden könne, soll „eine stabile Population von 1000 adulten Tieren entstehen“, sagte Berbig. Klemm äußerte die Befürchtung, dass das Land über solch eine Population die Kontrolle verlieren könnte. „Und dann bekommen wir auch die ersten Problemwölfe“, so der Ausschussvorsitzende.

Andreas Berbig fordert indes Unterstützung für Schäfer und ähnliche Berufsgruppen. „So mancher Schäfer lebt am Rande des Existenzminimums. Da kann man nicht sagen, dass der Wolf früher schon da war.“

Landwirt Torsten Müller sprach das Thema Wildunfälle an und forderte eine angepasste Handhabe. Da ein Wolf kein Wild sei, dürfe ein Jäger das verletzte Tier auch nicht töten. „Der Wolf ist einfach neu hier“, so Berbig, „in dieser Region gibt es viele Wildunfälle und es fordert auch niemand, Schalenwild abzuschaffen.“

Von Mike Höpfner

Mehr Lokalnachrichten im E-Paper und in der Printausgabe der Stendaler Altmark-Zeitung.

Mehr zum Thema

Kommentare