Sparkassen-Akten geschreddert: Bisher keine Anhaltspunkte für Absicht / Neubewertung der Sicherheit

„Da ist wirklich Bockmist passiert“

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Im Schredder-Skandal der Magdeburger Staatsanwaltschaft stellt sich jetzt die Frage nach den Konsequenzen.

Stendal. „Für die Staatsanwaltschaft geht es momentan um zwei Dinge. Zum einen muss geprüft werden, was von den Akten in Form von Kopien wiederbeschafft werden kann. Zum anderen muss sie sich die Frage stellen, welche Lehren aus dem Vorfall gezogen werden können.

Es ist wirklich Bockmist passiert“, sagt Ute Albersmann, Pressesprecherin des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung in Magdeburg.

Nachdem am Dienstag umfangreiche Originalakten aus dem Ermittlungsverfahren der Kreissparkasse Stendal gegen ihren ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dieter Burmeister geschreddert worden waren (AZ berichtete), stellt sich nun die Frage nach den Konsequenzen.

Landrat und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Carsten Wulfänger will erst über eine mögliche Strafanzeige nachdenken, wenn er von der Staatsanwaltschaft „über das volle Ausmaß“ informiert wurde. „Jedem sind alle Rechtsmittel offen“, sagt Ute Albersmann, „aber eine mögliche Straftat setzt in diesem Fall immer einen Vorsatz voraus.“

Bislang gebe es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der verantwortliche Mitarbeiter vorsätzlich gehandelt habe. Dr. Horst Nopens, der momentan leitende Oberstaatsanwalt, habe sich am Mittwoch zusammen mit Justizministerin Angela Kolb die Asservatenkammer angesehen, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Unter dem ganzen Gebäude befinden sich Archive. Die Akten haben, aneinander gelegt, eine Länge von 13 Kilometern. Das stellt einmal die Größenordnung dar“, so die Pressesprecherin. Nopens wolle prüfen, welche Veränderungen im Hinblick auf die Sicherheits-Leitlinien erfolgen müssen, so Albersmann auf Anfrage der AZ.

Inwiefern der Verlust der Akten das laufende Verfahren verzögert, konnte Albersmann nicht beziffern. „Das Ermittlungsverfahren läuft seit ungefähr einem Jahr. Erfahrungsgemäß dauern Strafverfahren in der Wirtschaft in dieser Größenordnung deutlich länger. Die Beweisaufnahme hat ja noch gar nicht begonnen.“

Eine bessere Kennzeichnung der Akten könne ein Malheur dieser Art künftig verhindern, Albersmann schloss auch die Einführung eines „Vier-Augen-Prinzips“ nicht aus, also ein weiterer Mitarbeiter für die Gegenkontrolle im Archiv. In den nächsten Tagen soll ein externer Mitarbeiter aus der Verwaltung die Lagerung der Akten unter die Lupe nehmen.

Von Mike Höpfner

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