Afghanische Familie muss aus der Heimat flüchten

„Wir wollen wieder sicher leben“

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Muhammad Sabir Haji Salam (4.v.l.) musste sein Heimatland Afghanistan zusammen mit seiner Frau und vier Kindern verlassen. Auch seinem Cousin Mohammad Mustafa Rahimi (r.) war das Leben in dem Krisengebiet zu gefährlich. Momentan leben sie mit vielen verschiedenen Nationalitäten in der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg.

Stendal. Afghanistan, Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien und schließlich Deutschland. So etwa verlief die Reiseroute von Muhammad Sabir Haji Salam und seiner Familie.

Auch sein Cousin Mohammad Mustafa Rahimi ist die Flucht aus dem von Krieg und Unruhen geschüttelten Land geglückt. Nun leben sie zusammen mit über 400 weiteren Asylsuchenden in der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg und wollen vorerst nur eins: in Sicherheit leben.

In seiner vorigen Tätigkeit im Heimatland hat Mohammad Rahimi, der aus der Nähe von Kabul stammt, für eine Nichtregierungs-Organisation gearbeitet. Er war dafür zuständig, mit anderen Mitarbeitern Lkw-Konvois zu überwachen, die Benzin und Diesel durch das Krisengebiet transportierten. „Über 100 Menschen wurden dabei von IS-Kämpfern oder den Taliban umgebracht“, so der Asylsuchende. Rahimi arbeitete auch als Übersetzer für Militärtruppen. „Meinem 15-jährigen Bruder wurde mit einem Maschinengewehr ins Bein geschossen“, berichtet Rahimi und sieht in seinem beruflichen Kontakt zu Ausländern einen möglichen Grund für den Angriff.

„Ich habe in Afghanistan einen Hochschulabschluss gemacht und hatte auch einen guten Job bei einer Bank“, berichtet Rahimi in fließendem Englisch, „nun will ich zunächst die deutsche Sprache erlernen, eine Arbeit finden und dann in eine eigene Wohnung ziehen.“ Seit etwa 40 Tagen seien sie nun in Deutschland, rund zwei Wochen davon in Halberstadt. Dort befindet sich die Anlaufstelle für Asylbewerber in Sachsen-Anhalt. Von dort aus werden die Flüchtlinge auf die Landkreise verteilt.

Angst und Sorge habe Muhammad Sabir Haji Salam vor seiner Ankunft in Deutschland gehabt. „Wir wollen endlich wieder sicher leben können. Das Wichtigste für mich ist jetzt, dass meine Kinder hier zur Schule gehen können, um schnell die deutsche Sprache zu erlernen“, übersetzt Dolmetscher Afshin Sattari für den vierfachen Familienvater.

„Seit dem Abzug der US-Truppen fühlen sich die Menschen unsicher“, so Salam. „Meine Kinder haben mir erzählt, dass sie auf dem Nachhauseweg von der Schule von einem Auto gestoppt und nach ihren Namen gefragt wurden. Ich bin dann zur Polizei gegangen, aber die wollten mir nicht helfen.“

Für die Familie stellt das Leben am Möringer Weg zusammen mit anderen Nationalitäten kein Problem dar. „Ich habe auch als Übersetzer mit Moslems, Christen und Juden aus aller Welt zu tun gehabt“, so Rahimi, „jetzt möchte ich ein Teil der deutschen Gesellschaft werden.“

Von Mike Höpfner

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