„Wir wissen noch viel zu wenig über die Hintergründe der Leute“

Erstes Treffen mit Flüchtlingen in Goldbeck

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Nicht abwarten, aber Tee trinken lautet am heutigen Mittwoch, 8. Juni, ab 15 Uhr im Saal, An der Zuckerfabrik, das Motto. Die Freiwilligen-Agentur lädt zum ungezwungenen Beisammensein ein.

Goldbeck. So viele Neu-Ankömmlinge wie noch nie leben derzeit in der Uchtegemeinde. Ortsbürgermeister Torsten Dobberkau weiß von aktuell rund 50 Flüchtlingen, die ihre derzeitige Heimat in Goldbeck gefunden haben.

Bis vor Kurzem seien es nur zwei Familien gewesen, die sich im Straßenbild des Dorfes zeigten. „Wir haben eigentlich nur gute Erfahrungen“, sagt das Gemeindeoberhaupt mit Blick auf den ersten Begegnungsnachmittag, der heute Nachmittag um 15 Uhr im Saal des Verwaltungsamtes, An der Zuckerfabrik, beginnt.

Das Treffen zwischen Neu-Ankömmlingen und Einheimischen hat Bianca Weber angesetzt. Die Ehrenamtskoordinatorin für Flüchtlingshilfe lädt im Namen der Freiwilligen-Agentur ein. „Flüchtlingen begegnen – beim Tee statt beim Vorbeilaufen“, lautet das Motto. Dabei kann die 34-Jährige aus Stendal auf reichlich Erfahrung setzen, die sie seit dem vergangenen Jahr in und um Klietz und damit in und um die dortige Zentrale Aufnahmestelle gesammelt hat. Im Dezember wies Weber bei einem Pressetermin vor Ort beispielsweise auf stetig lauernde Missverständnisse im Zusammenleben zwischen Einheimischen und Flüchtlinge hin. Sie fügte damals als Beispiel an, dass es etwa bei Syrern als ein besonderer Beweis von Vertrauen und Freundschaft gelte, wenn man sich etwas ausleiht, ohne den Besitzer vorher um Erlaubnis zu fragen, wie dies hierzulande die überwiegende gesellschaftliche Norm sei.

Torsten Dobberkau jedenfalls hat unter den neuen Neu-Ankömmlingen bereits einen Architekten aus Syrien kennengelernt. „Wir wissen noch viel zu wenig über die Hintergründe der Leute“, freut er sich auf das Treffen. Ab und zu habe der Bürgermeister einen seinen neuen Mitbürger auch schon mal hilflos am Fahrkartenautomaten am Goldbecker Bahnhof angetroffen und diesem dann bei der Bedienung geholfen. Auch will sich die Gemeinde dafür einsetzen, dass auf dem Wäscheplatz des erst vor Kurzem bezogenen Wohnblocks Sitzmöglichkeiten und Spielgeräte errichtet werden. Da sich das Gebäude aber in Privatbesitz befinde, könne die Gemeinde nur unterstützend wirken. „Die Leute brauchen dort aber eine Rückzugsmöglichkeit“, weiß der Bürgermeister. Das und vieles mehr kann heute bis 17 Uhr in ungezwungener Atmosphäre besprochen werden. Helfer, Anwohner und alle Interessierten sind willkommen.

Von Antje Mahrhold

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