Lob und Tadel für den neuen Wind-Plan bei Wischer / Idee: „Bürger am Umsatz beteiligen“

„Wir träumten von einem idyllischen Landleben“

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Wo die Sonne schlafen geht, dreht der Wind weiter: Arneburg-Goldbeck will neue Anlagen bauen lassen.

Arneburg-Goldbeck. „Wir träumten von einem idyllischen Landleben in heiler Natur und Umwelt“, finden Eigenheim-Besitzer aus Wischer keinen Gefallen an Arneburg-Goldbecks neuem Wind-Plan.

Durch den Bau von 19 Windrädern sei der Traum vorbei gewesen, das Paar höre viel zu oft „monotone, zum Teil sehr laute Schläge der Rotorblätter“. Das sorge für Schlafstörungen und Ohrenschmerzen, beklagen die Hauseigentümer, die seit 20 Jahren im Hasseler Ortsteil leben. Sie fordern die Verwaltung der Verbandsgemeinde dazu auf, „eine weitere Verspargelung zu verhindern“. Mindestabstände von fünf Kilometern zu Wohngebieten müssten eingehalten werden und die Anwohner mit Geschäftsanteilen am Umsatz für die Beeinträchtigungen entschädigt werden.

Auf 48 DIN A4-Seiten hat Planer Volker Herger Lob und Tadel am neuen Wind-Plan aufgelistet, der von April bis Mai zur Einsicht ausgelegen hat. Darin attestiert die Biosphärenreservatsverwaltung „Beeinträchtigungen“ für Rotmilan, Schwarzstorch sowie für insgesamt acht Arten Fledermäusen. „Wir empfehlen erneut, auf die Ausweisung der Sonderbaufläche Arneburg/Sanne in östlicher Richtung zu verzichten“, heißt es in der Stellungnahme dieses sogenannten Trägers öffentlicher Belange. Die Fachleute dieser Institution raten im Sinne der Fledermäuse sogar, die „Erforderlichkeit von Abschaltzeiten“ zu prüfen.

Deutlich positiver liest sich die Wortmeldung aus dem Hamburger Büro von Deutschlands zweitgrößten Energieversorgungskonzern. „Wir begrüßen sehr, dass Sie das Verfahren vorantreiben“, erklärt das Unternehmen, das eigenen Angaben zufolge zwischen 1998 und 2007 diverse Anlagen im Windpark Baben/Bertkow errichtet hat – und dort nun Repowering betreiben will. Mit dem Bau deutlich größerer Windräder würden dann Ackerflächen frei, „da durch die Rückbauverpflichtung innerhalb der Genehmigung“ Kranstellflächen und Fundamente verschwinden würden. Dies sei Bürgschaften abgesichert.

Auch ein Landwirt hat sich in das Verfahren eingebracht. Der Mann hat Erfahrung mit dem Windpark Hindenburg. Und erklärt: „Flora und Fauna kommen mit einer Kombination aus Windkraft und Öko-Landwirtschaft weit besser klar, als mit konventioneller Landwirtschaft.“ Strom aus Windkraft in einem Umfeld von ökologischen Flächen vieler verschiedener Kulturen zu erzeugen sei „weitaus förderlicher“ als die durch Umweltämter tolerierte Biogas-Stromerzeugung aus Mais. „Im Maisfeld findet kein Raubvogel Nahrung. Er kommt nicht mal an den Boden, um Mäuse zu fangen“, erklärt der Mann von der Basis.

Auf eine möglicherweise gerechtere Verteilung der Erträge wirkt ein weiterer Anwohner hin. „Es ist angezeigt, innovative, den Bürger vor Ort berücksichtigende Betreibermodelle zu berücksichtigen. Die Chance wird vernachlässigt, weil bestehende Standorte erweitert werden, die nur bisherige Betreiber in den Fokus rücken. Die finanziellen Erträge sollten in der Region bleiben, wie es durch Kooperation mit lokalen Versorgen, wie den Stadtwerken Stendal, möglich wäre. Diese Chance droht, verpasst zu werden.“

Als „kritisch“ beurteilt das Landesamt für Denkmalpflege den Bau von Windrädern in der flachen, ländlich geprägten Altmark. Diese historische Kulturlandschaft sei mit vielen denkmalgeschützten Ortslagen und Baudenkmalen durchsetzt. Die Anlagen seien „moderne Hinzufügungen“ mit deutlichen „visuellen Auswirkungen“.

Von Antje Mahrhold

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