Stendal will nicht Ausrichter sein

Altmark verteilt beim Hansetag Tourismushefte: „Wir müssen als Region punkten“

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Stendal, Osterburg, Werben und Salzwedel vertreten die Altmark in Bergen. Kostenpunkt: etwa 4000 Euro. Detlef Preetz (r.), Mitarbeiter des Kreismuseums, hat die Seildrehmaschine aufgebaut, ein Besuchermagnet. Matthias Neumann hält das Banner, seine Chefin Nicole Laupsien das Stendalschild. Osterburger wie Anette Bütow (vorn) nehmen am Umzug teil, die Blasmusikanten spielen auf.

Bergen / Stendal. „Wir kommen mit leeren Taschen zurück, und das ist auch gut so“, meint Matthias Neumann und grinst.

Der Koordinator des Altmärkischen Hansebundes und Mitstreiter haben im norwegischen Bergen mehr als 1000 Broschüren in englischer und deutscher Sprache verteilt. Bei allem Erfolg und erhofftem Imagegewinn will sich Stendal auch weiterhin nicht um die Ausrichtung des Hansetages bemühen. „Warum auch?! Salzwedel hat die Großveranstaltung 2008 ausgerichtet und wird sie 2038 ein zweites Mal gestalten. Davon profitieren auch Stendal und die anderen sechs Hansestädte des Landstrichs: Osterburg, Seehausen, Tangermünde, Havelberg, Werben und Gardelegen. Wir müssen als Region punkten“, sagt der 29-jährige waschechte Stendaler.

400 Jahre lang bestimmte die Hanse im Mittelalter Wirtschaft, Handel und Politik mit, bevor sie an Bedeutung verlor. Anfang der 1980er-Jahre ist die Internationale Hanse der Neuzeit geboren worden. „187 Städte sind dort derzeit aktiv. Die Hanse kennt man überall in Europa und der Welt.“ Anders als etwa Johann Joachim Winckelmann, den Begründer der modernen Archäologie, Afrikaforscher Gustav Nachtigal oder auch Stendals Roland, die unbestritten alle ihren Wert hätten, aber nicht die touristische Zugkraft wie eine historische Kaufmanns- und aktuelle Städtehanse besäßen.

Neumann, der im Stendaler Rathaus unter anderem für Tourismus zuständig ist, denkt nicht zuletzt an Fahrradtourismus. Beim 36. Hansetag in Norwegen hatten die Altmärker das Glück, dass zwei Kreuzfahrtschiffe mit zahlreichen deutschen und anderen Reisenden im Hafen lagen. „Unser Stand war sehr gut besucht. Hinzu kamen Konferenzen und andere Pflichtveranstaltungen. Es war harte Arbeit. Viel Zeit, um die herrliche Landschaft zu genießen, blieb nicht.“ Neumann sieht in der Hanse, die nicht zwingend mit Wasser verbunden ist, großes Potenzial und wirbt verstärkt bei Unternehmern, sich stärker einzubringen. Der junge Mann im AZ-Gespräch: „Im angegliederten Wirtschaftsbund engagiert sich momentan keine Firma aus Stendal, eine vertane Chance. Ich bin mir sicher, dass dies nicht mehr lange so sein wird.“

Von Marco Hertzfeld

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