Vorzeigemuseum schafft in der Jubiläumszeit gänzlich neuen Empfang und Bibliothek für alle

Winckelmann rückt in neues Licht

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Stendals Vorzeigemuseum wird in den nächsten drei Jahren kräftig umgekrempelt. Leiterin Dr. Stephanie-Gerrit Bruer lässt sich vor der Büste Winckelmanns in die Pläne schauen. Auf der Hofseite sollen die Besucher künftig in einem an Tageslicht reichen Gebäude empfangen werden. Der mehr als 15 Meter hohe und begehbare Nachbau des Trojanischen Pferdes wird wohl leicht verrückt.

Stendal. Das Winckelmann-Museum steht vor einem Umbruch. „Die Aufregung steigt“, gibt Dr. Stephanie-Gerrit Bruer unumwunden zu. Herzstück des Großprojektes ist ein völlig neuer Eingangsbereich, mit viel Tageslicht.

Neben dem normalen Betrieb hat die Leiterin nun fast täglich auch mit den geplanten Bauarbeiten zu tun. Noch in diesem Jahr soll es losgehen. 2,3 Millionen Euro werden bis 2018 investiert, um den Komplex an der kleinen Straße, die ebenfalls den Namen des Begründers der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte trägt, noch attraktiver und zukunftstauglich zu gestalten. Alle Beteiligten hoffen, dass die Fördermittel für den Um- und Ausbau wie geplant fließen.

Barrierefreie Zukunft: Fahrstuhl auf dem Hof

Es sei nicht zuletzt die Inklusion, die vieles in Bewegung setze. Möglichst jeder Mensch soll ohne große Probleme ins Museum gelangen. „Wenn wir ehrlich sind, ist unsere Einrichtung derzeit alles andere als barrierefrei.“ Der Haupteingang wird von der Winckelmannstraße auf den Hof verlegt. Es entsteht ein Gebäude mit viel Glas, das in der oberen Etage die Bibliothek aufnehmen soll. Ein Fahrstuhl wird eingebaut. Besucher können dann über die Straße Altes Dorf den Garten und weiter das Museum erreichen, so ist es zumindest derzeit geplant. Ein zweiter Zugang ins neue Foyer könnte über die momentane Toreinfahrt an der Winckelmannstraße möglich werden.

Freizeitspaß für Familien in altrömischem Haus

Das Kinder- und Erlebnismuseum unterm Dach der beiden Haupthäuser zieht in den Flachbau und mausert sich zum Familienmuseum. Damit Jung und Alt dort gern hinkommen, seien einige Umbauarbeiten nötig. „Das ist allerdings alles ziemlich überschaubar.“ Am Schluss soll der Flachbau sogar äußerlich einem Haus aus altrömischer Zeit ähneln. Dr. Bruer: „Unterm Strich optimieren wir also unsere Strukturen und Räumlichkeiten. Das reine Winckelmann-Museum mit seinen Ausstellungen hat dort seinen Platz, das Familienmuseum drüben. Und beides wird auch für Menschen mit Behinderung gut zugänglich sein. Das ist unser Ziel.“

Mit dem Troja-Zugpferd zum Besucherrekord

Die Einrichtung befindet sich seit 2000 in Trägerschaft der Winckelmann-Gesellschaft mit Prof. Dr. Max Kunze an der Spitze. Auch dank des Trojanischen Pferdes haben sich die Gästezahlen im Laufe der Jahre mindestens verdreifacht. „Mit mehr als 13 000 Besuchern hatten wir 2014 den Rekord, 2015 verlief ähnlich gut.“ Das Zugpferd aus Metall und Holz wurde 2001 gefertigt und steht seit 2003 im Museumsgarten. Innerhalb des Um- und Ausbaus soll es eine Frischekur und wahrscheinlich auch einen leicht veränderten Standort bekommen. „In diesem Punkt ist allerdings noch nicht alles abschließend entschieden“, so die Stendaler Wissenschaftlerin im Gespräch mit der AZ.

Internationaler Kongress von Berlin nach Stendal

Johann Joachim Winckelmann kann in aller Munde sein. 2017 jährt sich sein Geburtstag zum 300. Mal, 2018 sein Todestag zum 250. Mal. Dr. Bruer und Kollegen haben dieses Zeitfenster fest im Blick. Im Frühjahr des übernächsten Jahres sollen alle Bauarbeiten auf dem Gelände beendet sein. Schließlich findet im Mai 2018 ein internationaler Kongress in Berlin statt. Und eine Exkursion soll von der Bundeshauptstadt ins dann frisch umgebaute Stendaler Museum führen. Die Einrichtung werde immer mehr zum regelrechten Aushängeschild für die Kreisstadt, ja für die gesamte Region.

Neue Bibliothek für alle offen

Die Bibliothek im neuen Eingangsgebäude wird allen Interessierten offenstehen und nicht allein Wissenschaftlern. „Im Lesesaal werden die Besucher auch populäre Titel finden, nicht nur Fachliteratur. So können sich Besucher zum Beispiel über ihre Reiseziele informieren“, kündigt die Direktorin des Winckelmann-Museums an. Die neue öffentliche Bibliothek und die Stadtbibliothek würden sich sicherlich gut ergänzen. Momentan stehen die Museumsbücher im Flachbau.

„Bildungsfaktor und wichtiger Erlebnisraum“

Wie stark sich Um- und Ausbau auf den reinen Museumsbetrieb auswirken werden, muss sich zeigen. Für dieses Jahr rechnet Dr. Bruer noch mit keinen großartigen Einschränkungen, 2017 seien die dann aber sicherlich nicht mehr zu verhindern. „Aber wir wissen ja, wofür das alles passiert. Das Museum ist ein wichtiger Bildungsfaktor und natürlich auch ein Erlebnisraum.“

Von Marco Hertzfeld

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