„Wer Angst vor anderen Menschen hat, flieht“

28. Uchtspringer Treffen ehemaliger Patienten beschäftigt sich mit Mediensucht

+
Dr. Annegret Ankerhold, abteilungsleitende Ärztin „Spiel- und Mediensucht“, sprach während des Treffens ehemaliger Patienten über Themen ihres Fachgebietes.

Uchtspringe. In einer Welt, in der Medien in all ihren Formen fast jedem Menschen immer und überall begegnen, sind die Gefahren im Umgang mit Handy, Fernseher, Computer und Co. umso immenser geworden. Es war an diesem Sonnabend das insgesamt 28. Treffen seiner Art.

Ehemalige Patienten der Klinik für Psychosomatik, Psychotherapie und Suchtmedizin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe kamen zusammen, um sich in kleinen Gruppen auszutauschen, über die Herausforderungen als Abstinenzler im Alltag zu sprechen, gemeinsam eine Wanderung durch die kalte Heide zu unternehmen und einem Referat zu lauschen. Letzteres, vorgetragen durch Dr. Annegret Ankerhold, beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit dem Überbegriff der Sucht im großen und mit Spiel- und Mediensucht im kleinen, speziellen Rahmen.

Diffus sei die Statistik in diesem Bereich – noch. Wann fängt die übermäßige Nutzung von Medien an, was ist normal? Die Zahlen für Mediensüchtige in der Bundesrepublik schwanken zwischen einem und 14 Prozent. Fakt ist allerdings, dass die Suchtfelder differieren und folgende mediale Elemente beinhalten. So gibt es Menschen, in diesem Fall meist junge Männer, die nach Computerspielen süchtig sind. Es gibt Personen, die einer „Online-Sucht“ nachgehen, welche den Konsum von pornografischen Inhalten, Spielen, das „im Netz einkaufen“ oder die einfache Kommunikation beinhalten kann. Es gibt zudem Fernseh- und Handy-Süchtige.

Was diese Menschen im Kern vereint? „Sie sind nicht mehr dazu in der Lage, das Nutzungsverhalten zu kontrollieren“, sagte die Expertin, die als abteilungsleitende Ärztin „Spiel- und Mediensucht“ viele Patienten selbst therapiert hat.

Jene Menschen haben ihren Tagesablauf komplett auf die jeweilige Sucht ausgerichtet, um, zum Beispiel in einem Computerspiel „Macht ausüben“ zu können oder soziale Anerkennung zu bekommen, jedoch ohne die vermeintliche Sicherheit und Distanz des Internets zu verlassen. „Wer Angst vor anderen Menschen hat, flieht in Spielwelten, bestellt sein Essen, seine Kleidung online.“ Was als Vereinfachung des Alltags dienlich sein soll, kann in eine Sucht und meist in die Einsamkeit führen. Diese Routine zu durchbrechen, sei nicht leicht.

Von Alexander Postolache

Kommentare