Für wahren Genuss zählt auch die Nase

Vier Schotten beim 70. Whisky-Seminar im Irish Pub

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Der Leipziger Michael Kaufhold (41) kommt seit 16 Jahren nach Stendal, um seine Leidenschaft für Whiskey mit interessierten Altmärkern zu teilen.

Stendal. Er ist malzig, hat etwas von Vanille, Zitrusfrüchten und ein leicht rauchiges Aroma. Und er brennt auf Zunge und Gaumen. Ein Nachbrennen im Abgang bleibt aber aus. „Plopp“ – die erste Flasche Scotch ist offen, das 70. Whisky-Seminar im Irish Pub „City“ beginnt.

Ein freudiges „Hey!“ schallt durch den Raum des Nicht-Raucher-Bereiches. Etwa 40 Menschen – 90 Prozent sind Männer – warten auf den ersten Doppelten.

Ein Highland Single Malt der Marke Ancnoc macht den Anfang, limitierte Auflage, Design von Peter Arkle. Drei weitere Sorten, an diesem Samstagabend alle aus Schottland, warten auf die Probierenden. Es sind jeweils weitere vier Zentiliter pro Teilnehmer.

In Sachen Whisky machten interessierte Stendaler in den vergangenen 16 Jahren zusammen mit ihrem Leipziger Referenten Michael Kaufhold eine kleine Weltreise. Mittlerweile sind es 280 Sorten, die die eingeschworene Gemeinschaft – die Seminare sind zügig ausgebucht – probiert haben. Aktuell gibt es monatlich jeweils ein Seminar – von Oktober bis April.

„Beim elften Seminar bin ich eingestiegen“, berichtet ein Gast. Seither verpasste er nur einen Abend. Vier bis maximal fünf Sorten je Abend stehen auf dem Programm. Nach einem kurzen, aber interessanten Einblick in die Geschichte der jeweiligen Destille wird das Getränk genau unter die Lupe genommen. Zunächst trinkt das Auge mit. Es wird geschaut, wie sich der Whisky nach dem Schwenken im Glas laufend verhält. Die Farbe gibt unter anderem Aufschluss auf das verwendete Fass. Dann kommt das „Nosing“, die Wahrnehmung mit der Nase ins Spiel. Erst dann wird verkostet. Und am Ende wird ein individueller Rest im Glas mit wenigen Tropfen Wasser versetzt – eine Sorte kann so divers schmecken.

„Wir hatten schon Whiskys aus Japan und Neuseeland und natürlich auch aus traditionellen Ländern wie Irland dabei“, erinnert sich Wirt Dirk Düwert. Und berichtet in diesem Zusammenhang von den Anfängen: Ein Pfarrer gab damals den Anstoß und stellte den Kontakt zu jenem Referenten her, der auch 16 Jahre später noch durch die Abende führt und mit dem die Gäste sehr freundschaftlich umgehen.

Von Alexander Postolache

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