Nach Doppel-Rücktritt wird Wolfgang Trösken Interims-Chef in Werbens Rathaus

„Es gab zu viele Schläge unter die Gürtellinie“

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Der eine will wiedergewählt werden, der andere schmeißt nach drei Jahren hin: Eike Trumpf (l.) war dabei, als Jochen Hufschmidt die Abschiedsrede hielt. Der Wahl-Altmärker mit rheinischen Wurzeln leitete den Stadtrat zum letzten Mal als Bürgermeister.

Werben. Erneuter Schlagabtausch im Stadtrat am Dienstagabend: Bevor Noch-Bürgermeister Jochen Hufschmidt miterlebte, wie sich Wolfgang Trösken als alleiniger Bewerber aus den Reihen der insgesamt zwölf Stadträte für das Interims-Amt bis zum Antritt des Neu-Stadtoberhaupts zur Wahl stellte, stand das Rücktrittsschreiben von Noch-Vize-Bürgermeister Bernd Schulze (UWG) im Fokus.

Der Berger hatte Anfang August einen Monat nach Hufschmidt ebenfalls zum 30.  September das Handtuch geworfen. Und zwar wegen „mobbingmäßigen Benehmens“ von CDU-Fraktionschef Michael Schnelle und dem Führer der einköpfigen Bürgerfraktion, Trösken. Werben sei durch diese zwei Stadträte ein „schwerer Ansehensverlust zugefügt“ worden, hat Schulze zu Papier gebracht.

„Diese Vorwürfe sind unhaltbar“, verlangte Trösken bei Hufschmidt vergeblich eine Klarstellung, während der wiede-rum Trösken dazu aufrief, „zurückhaltender zu sein“. „Kritisches Nachfragen ist die Pflicht eines jeden Stadtrates“, erklärte Michael Schnelle, worauf Werbens Noch-Bürgermeister die Ära teils hitziger Debatten im Rathaussaal der Hansestadt in Erinnerung rief. „Es geht um den verletzenden Ton und um die Schläge unter die Gürtellinie“. Auch Schulze betonte: „Es geht um die Tiefschläge.“

Damit der Wahl-Akt in Zeiten von Pannen, die in der Kreisstadt für Schlagzeilen sorgen, seine Ordnung hat, ließ Verbandsgemeindebürgermeister Eike Trumpf für Stimmzettel, Wahlkabine und Wahlurne sorgen. Nacheinander machten alle anwesenden zehn Stadträte und Hufschmidt verdeckt ihr Kreuz. Auf sechs Stimmzetteln war schließlich für Trösken votiert worden. Aber als Hufschmidt anschließend von „fünf Nein-Stimmen“ sprach, erregte dies den ersten Widerspruch des frisch Gewählten. „Es gibt hier keine Nein-Stimmen“, wollte Trösken klargestellt haben. Schließlich hätte auch nur seine eigene Stimme gereicht, dass Werbens Rathaus ab 1. Oktober bis zum Amtsantritt des am 23. Oktober neu zu wählenden Bürgermeisters nicht führungslos ist. „Ich habe das noch nie gemacht“, erklärte der Landwirt der AZ am Morgen danach. Und hofft auf Unterstützung von der Verwaltung.

Unbesetzt bleibt weiter der Vorsitz im Wirtschaftsförderungsausschuss. Das Gremium war von der UWG dieses Jahr berufen worden. Es ist seit dem Rücktritt von Doreen Behrens ohne Führung. Der Posten muss wegen der Mehrheitsverhältnisse von der mitgliederstärksten UWG besetzt werden. Die aber kann mangels Interesse niemanden benennen, weswegen nun die Hauptsatzung geändert wird. „Ein bisschen verrückt“, fand an dem Abend auch Arneburg-Goldbecks oberster Verwaltungschef.

Eike Trumpf hörte auch Jochen Hufschmidts Abschiedsrede. Er könne leider „nicht allen danken“, erklärte der Wahl-Altmärker mit rheinischen Wurzeln. Aber er hoffe „zum Wohle unserer Stadt“ für seinen Nachfolger auf eine konstruktive Zusammenarbeit. „Dies ist meine letzte Sitzung“, blickte das scheidende Stadtoberhaupt an die Rathausdecke: „Es gab zu viele Verletzungen und zu viele Respektlosigkeiten.“ „Du hast einen guten Job gemacht, das soll dir erstmal einer nachmachen“, lobte UWG-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Gellerich.

Von Antje Mahrhold

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