Patient der Forensischen Psychiatrie soll seinen Zimmergenossen gewürgt und geschlagen haben

Versuchter Mord wegen 40 Euro

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Hinter den Fenstern der Klinik für Forensische Psychiatrie in Lochow soll der Angeklagte Z. versucht haben, seinen Zimmergenossen B. zu erwürgen, weil dieser ihm 40 Euro geklaut haben soll. Dafür steht der 29-jährige Hallenser vor dem Landgericht.

Stendal. Er wirkt nahezu unbekümmert, als er in Handschellen von zwei Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt wird. Mit einem lauten „Guten Morgen“ begrüßt er die Anwesenden.

Er führt ein kurzes Gespräch mit seiner Verteidigerin, zu der er sich ein wenig hinunterbeugen muss, ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Der kräftige Mann mit dem kahlen Schädel ist Z., angeklagt wegen versuchten Mordes.

Der geladene Zeuge J. sei zur Tatzeit zusammen mit Z. in der Psychiatrie in Lochow untergebracht gewesen. „Der Z. wollte den B. erwürgen“, so der Zeuge, „und wenn er so etwas sagt, dann zieht er es auch durch.“ Die Gesichtszüge des Angeklagten wirken entspannt. Immer wieder gibt es einen kurzen Austausch mit seiner Verteidigerin.

B. sei dafür bekannt gewesen, Geld von Mitpatienten zu klauen, berichtet der Zeuge. In diesem Fall soll er den Angeklagten um 40 Euro erleichtert haben. Nachdem J. in der Tatnacht „Gerumpel“ aus dem benachbarten Zimmer gehört habe, sei er auf den Flur gegangen, wo ihm das Opfer bereits entgegenkam. „Bist doch selber schuld“, sei die Reaktion des Zeugen gewesen.

Auf die Frage nach dem Verhältnis des Zeugen zum Angeklagten folgt eine überraschende Antwort. „Ich hatte ein Techtelmechtel mit Z.“, sagt er ohne Umschweife. Was denn darunter zu verstehen sei, will der beisitzende Richter Christian Hachtmann wissen. Die Hand- und Fußfesseln des 33-jährigen Zeugen klimpern. Mit einem Blick zu dem Angeklagten sagt er: „Wir haben eine Liebesbeziehung geführt.“ Hachtmann nickt. Ob die Liebesbeziehung weiterhin bestehe, fragt er den Zeugen. „Von mir aus schon, von ihm aber nicht“, sagt J. Christian Hachtmann macht eine Notiz, er hat keine weiteren Fragen.

„Dass B. gerne klaut, ist nicht unbekannt“, erzählt ein weiterer Zeuge. V. ist 21 Jahre alt, er trägt einen schwarzen Anzug. Schon seit August 2012 sei er im Maßregelvollzug – wegen gefährlicher Körperverletzung. Vor der Vernehmung werden ihm die Handschellen abgenommen. Er habe nicht geglaubt, dass Z. sein Vorhaben in die Tat umsetzen würde. Zwischen dem Geschädigten B. und ihm sei es jedoch zu „Reibereien“ gekommen. „Ich habe seinen Fernseher zerstört“, räumt V. ein. Auch sexuelle Handlungen zwischen B. und V. habe es gegeben. „Der hat nachts an meinem Geschlechtsteil rumgespielt. Das habe ich zur Anzeige gebracht“. Die Große Strafkammer hat den nächsten Verhandlungstermin für Montag, 23. Februar, angesetzt.

Von Mike Höpfner

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