Neue Vorschrift: Biobauer in Busch muss zwei Mitarbeiterinnen entlassen

Verschärfte Fleischbeschau killt zwei Jobs im Hofladen

Busch. Glühweinnacht, Tag des offenen Hofes und das große Dampfpflugfest – seit Jahren Höhepunkte der Region, wird es 2016 nicht geben. Letzteres jedenfalls nicht mehr durch die Unterstützung desjenigen, der die Großveranstaltung zum Leben erweckt hat.

Michael Dihlmann will nicht mehr, Behördenwillkür zwingt ihn dazu, seinen Hofladen im Idener Ortsteil zu schließen.

Zwei seiner Mitarbeiterinnen werden ab nächsten Monat keinen Job mehr haben. Gemeinsam mit Heike Knofflock war der Biobauer am Dienstag dabei, Inventur zu machen. Der Verkaufstresen ist inzwischen leer, noch vorhandene Gläser mit Wurstwaren gehen in den privaten Bestand über.

Es ist schwer nachvollziehbar: Privatpersonen ist es weiterhin möglich auf dem Gut in Busch ein Schwein zu kaufen, es dort schlachten zu lassen und die Wurst oder das Fleisch mitzunehmen. Das vor allem auch an den Wochenenden, da in diesem Fall der Hoftierarzt die Fleischbeschauung durchführen darf.

Für Dihlmanns Betrieb gilt jetzt eine neu eingeführte Verordnung vom Amt für Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz, die es gewerblichen Schlachtbetrieben unmöglich macht, an Wochenenden zu schlachten. Die Einführung eines zentralen Trichinenlabors, so Dihlmann, dessen Arbeitszeit sich an denen der Ämter orientiert, mache es uns unmöglich, den Kunden die Frische anzubieten, „die sie von uns gewohnt sind“. Wir dürfen nicht mehr bei Großveranstaltungen oder großer Nachfrage im Hofladen flexibel reagieren und Freitagnachmittag oder samstags schlachten, um unsere Kunden zu bedienen. „Dass dabei die Fleischbeschaukosten für ein Schwein um 300 Prozent erhöht wurden, sei nur nebenbei angemerkt“, beklagt Dihlmann. Ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung, dass der Hoftierarzt wie früher die Trichinenschau machen darf, sei mündlich abgelehnt, und schriftlich erst gar nicht beantwortet worden.

Bioschweine wird es aber weiter in Busch geben. Dihlmann empfiehlt Interessenten, sich gegebenenfalls zusammen zu tun und ein Schwein aus Busch in Busch schlachten zu lassen. Unter eigener Mithilfe und nach eigenen Angaben würden die Fleischer genau das herstellen, was die Kunden wollen. Es handele sich um eine günstige Alternative für gute Qualität. Da es sich so um Privatschlachtungen handele, könne auch an den Wochenenden geschlachtet und wie gewohnt der Hoftierarzt zur Fleischbeschau hinzugezogen werden. „Die überteuerten, unverschämten und unnötigen Verschärfungen bei der Fleischbeschau beziehen sich nur auf gewerbliche Schlachtungen. Privatschlachtungen sind hiervon ausgenommen“, erläutert Dihlmann abschließend.

Von Jörg Gerber

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