Von Woche zu Woche

Wir verpassen die Anschlüsse

Wie lange hören wir das schon: Für den A 14- und A 39-Lückenschluss stehen die Ampeln auf Grün, für schnelles Breitband-Internet auch. Und wie immer vor Wahlen beteuern die Politiker (die meisten jedenfalls), sich genau dafür einsetzen zu wollen.

Fakt ist: Seit mehr als dreieinhalb Jahren gibt es den kommunalen Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) – Glasfaser-Internet haben wir noch nirgends. Zur A 14 hören wir seit Jahren, dass sie „von existenzieller Bedeutung“ sei. Und in dieser Woche hieß es in Berlin, dass A 14 und A 39 in den Bundesverkehrswegeplan kommen sollen. 2020 könnten wir auf der fertigen A 14 nach Norden fahren. Und in Sachen Breitband-Internet könne man ab 2018 beim ersten „Cluster Arneburg“ Vollzug melden. Sechs Jahre nach Gründung des ZBA .

Ulrike Meineke

Unsere Zeit ist schnelllebig, das wissen wir alle. Da steckt das Wort „schnell“ drin. Wir wollen schnell von A nach B kommen und wir brauchen schnelle Datenautobahnen. Was wir haben, ist viel Idylle. Viel Wald und Flur. Grün eben. Wir sind eine „Grüne Wiese“ ohne schnelle Verbindungen. Und weil „grün“ so toll ist, klagen die Umweltschützer gegen jeden Autobahn-Abschnitt. Für schnelles Internet drängen andere Anbieter auf den Markt, die einfach flexibler und schneller sind als unser Modell-Vorzeigeverband. Und die „Grüne Wiese“ wird von allen Seiten gefördert, weil die Werbekampagne so klasse ist. Sie wirbt ja auch genau dafür – „Grüne Wiese“ mit viel Ruhe. Man muss nicht Zeit damit vergeuden, schnell im Internet zu surfen oder als Firma gar wettbewerbsfähig zu sein, wenn man online Aufträge generieren kann. Und man muss nicht schnell von der Altmark aus irgendwo hin gelangen, es ist doch so schön grün und ruhig hier. Die Autobahn bringt die Leute nur weg. Was sind das nur für schizophrene Signale. Das ist weltfremd und spielt dem demografischen Wandel geradezu in die Hände. Was sagen wir denn unseren Kindern? Geht in die Welt, wenn ihr mit ihr Schritt halten wollt. Da habt ihr schnelles Internet und Autobahnen. Und wenn ihr alt seid und genug habt von dem weltlichen Stress, dann kommt zurück und genießt die „Grüne Wiese“.

Mal ehrlich: Wer im Leben etwas erreichen will, hat in der Altmark die schlechtesten Bedingungen. Es sei denn, er will den ganzen Tag lang am Arendsee in aller Seelenruhe angeln ...

Von Ulrike Meineke

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