Gardelegener wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht / Zehn Monate auf Bewährung

Urteil in untypischem Fall verkündet

„Das ist nicht der Kindesmissbrauch, wie man sich ihn am Stammtisch vorstellt. Auch die Geschädigte konnte uns glaubhaft versichern, dass es zwischen ihr und dem Angeklagten einen Liebesbeziehung gegeben hat“, so Kelm in ihrem Plädoyer. Die Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Ulrich Galler entsprach letztendlich den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Verteidiger Thomas Voigt plädierte für eine mildere Strafe.

„Keiner der Erwachsenen, weder die Mutter des Opfers, noch der behandelnde Frauenarzt, haben dem Kind gesagt, dass diese Beziehung strafbar ist“, so Voigt in seinem Schlussantrag. „Keiner der beiden wollte schließlich, dass der andere eine Straftat begeht.“ Ein konkretes Strafmaß forderte Voigt nicht.

„Die Schuldfähigkeit ist im Zweifel für den Angeklagten als vermindert anzusehen“, so formulierte es Ulrich Galler nach der Urteilsverkündung. Demzugrunde lag ein Bericht des Gutachters Professor Dr. Jürgen Mauthe, in dem der Psychotherapeut dem Beschuldigten einen Intelligenzquotienten von etwa 70 bescheinigte. Mauthe konnte jedoch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, dass bei dem Kasachen im Tatzeitraum eine verminderte Steuerungsfähigkeit vorlag.

Allerdings sind zehn Monate auf Bewährung, so Galler, auch „das, was hier unbedingt erforderlich ist“. Die ursprünglich 80 Einzeltaten wurden zu drei Taten zusammengefasst. Voigt verzichtete nicht auf Rechtsmittel, daher kann er gegen das Urteil in Berufung gehen.

mih Stendal / Gardelegen. Zum Tatzeitpunkt war der Angeklagte 24, die Geschädigte war erst 13. Von September 2009 bis August 2010 soll er zweimal wöchentlich mit dem Mädchen Geschlechtsverkehr gehabt haben. Dafür hat das Stendaler Landgericht den gebürtigen Kasachen gestern zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Auf diesen Tatbestand steht laut Strafgesetzbuch eine Mindesthaftstrafe von zwei Jahren. „Wir haben es hier mit einem untypischen Fall zu tun“, sagte Staatsanwältin Annekatrin Kelm.

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