Fahrerflucht: 900 Euro Geldstrafe und ein Monat Fahrverbot für 23-Jährigen

Ein Schuss vor den Bug

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Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Romy Gille bei Verhandlungsbeginn im Stendaler Landgericht.

Stendal / Gardelegen. „Das Urteil soll auch ein Schuss vor den Bug sein, damit Sie nicht ganz ungestraft aus der Sache rausgehen. Sie sind heute außergewöhnlich glimpflich davongekommen“, so die abschließenden Worte von Richter Gundolf Rüge im Prozess gegen einen 23-Jährigen aus Gardelegen.

Der Angeklagte soll im Sommer 2014 im betrunkenen Zustand Fahrerflucht begangen haben. Dafür verurteilte ihn das Landgericht in einem Berufungsverfahren gestern zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Euro und einem Monat Fahrverbot.

Zur Tat: Am Morgen des 3. August 2014 soll der Beschuldigte mit einer Blutalkoholkonzentration von über 1,8 Promille mit einem VW Golf vor eine Hauswand gefahren sein. An der Wand sei dabei ein Schaden von rund 250 Euro entstanden. Das Fahrzeug habe er am Tatort stehen lassen, sei dann nach Hause gegangen und habe dort weiter Alkohol konsumiert. Das Amtsgericht Gardelegen verurteilte ihn dafür zu einer Geldstrafe von insgesamt 1200 Euro und einem Jahr Fahrverbot.

Doch weil er in der Wohnung seiner Mutter weitergetrunken habe und auch erst dort von der Polizei kontrolliert worden sei, habe er im Nachhinein eine höhere Blutalkoholkonzentration gehabt als zur Tatzeit. Unter anderem deswegen sei das Urteil des Gardelegener Amtsgerichts fehlerhaft, so der Beschuldigte in seiner Berufungsbegründung.

„Für einen Freispruch aus rechtlichen Gründen sehe ich hier keinen Raum. Da müssen wir auch die Kirche im Dorf lassen“, so Rüge. Laut der Verteidigerin des Angeklagten, Romy Gille, habe es an der Fassade bereits Vorschäden gegeben. Gille sehe keine Spuren, die zum Fahrzeug des Beschuldigten passen würden. Für diese Argumentation der Juristin fand Richter Rüge deutliche Worte: „Das halte ich doch für etwas abenteuerlich.“ Gilles Aussage, die Hauseigentümer hätten allein aufgrund der Geringfügigkeit der Schäden noch keine Schadensersatzansprüche gestellt, kommentierte der Vorsitzende Richter mit: „Vielleicht sind die dort Kummer gewohnt.“

Da das Urteil des Amtsgerichtes Gardelegen mit dem Landgerichts-Urteil aufgehoben ist, spielt die Trunkenheitsfahrt selbst keine Rolle mehr. Rüge verurteilte den 23-Jährigen wegen Unfallflucht zu 30 Tagessätzen à 30 Euro und zu einem Monat Fahrverbot. Der Angeklagte selbst konnte zu den Tatvorwürfen keine genauen Angaben mehr machen. „Ich bereue die ganze Sache und hoffe, dass ich nicht nochmal hier sitzen muss.“ Gegen das Urteil kann Revision beantragt werden.

Von Mike Höpfner

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