Forstamtschefin: Friedhof-Alternative bleibt für die Region interessant

Den Urnenwald begraben: „Pläne scheitern bislang“

Ein Bestattungswald aus Buchen wie hier bei Grevesmühlen (GVM) hat für viele Menschen noch einmal einen besonderen Reiz. In der Altmark würde ein Ruheforst wahrscheinlich aus Kiefern bestehen. Diese Baumart ist dort dominant. Auch die Kiefer hat ihre Anhänger.

Seehausen. Es riecht nach nassem Laub. Das Moos an den Buchenstämmen richtet sich auf. Tau tropft von den Zweigen. Es ist still, aber nicht totenstill. Ein Specht trommelt irgendwo ganz in der Nähe. Die Singvögel beginnen ihr Morgenkonzert.

Der Friedwald Grevesmühlen nahe der Ostsee ist vor wenigen Monaten eröffnet worden. In Seehausen und Umgebung oder anderen Teilen des Landkreises Stendal gibt es noch keinen Bestattungswald. Katja Döge, Leiterin des Betreuungsforstamtes Nordöstliche Altmark, kann sich ein solches Angebot auch für diese Gegend vorstellen. „Es ist eine neue Form der Nutzung, eine gute Form der Nutzung. “.

Döge ist sogar schon einmal in dieser Richtung aktiv geworden. Private und kommunale Waldbesitzer hatten Interesse bekundet und sich an sie gewandt. „Schon rein forstwirtschaftlich ist ein Urnenwald für uns interessant. Wir suchen immer nach neuen Nutzungsformen. Zumal für so ein Angebot nur ein relativ kleines Territorium vonnöten ist.“ Allerdings spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Es gebe im Prinzip zwei große Unternehmen, die einen solchen Ruheforst betreiben könnten, doch die hätten nach einer Prüfung abgewinkt. „Offenbar ist die Altmark auch dafür zu dünn besiedelt. Die Pläne scheitern bislang. Die Firmen glauben, dass sich einfach zu wenige Menschen für diese Begräbnisform finden würden.“ Wer seine Urne in einem Wald beisetzen lassen möchte, muss deshalb ins südlichere Sachsen-Anhalt oder in benachbarte Bundesländer schauen. Ein Platz unter einem Baum lasse sich zu Lebzeiten aussuchen.

Dass die Asche von Toten irgendwann doch in altmärkischem Boden landen kann, daran will Döge gern glauben. „Über kurz oder lang wird sich da etwas tun“, ist sie im Gespräch mit der AZ überzeugt. Wobei natürlich auch die gesetzlichen Vorschriften eine Rolle spielen. Ihres Wissens nach darf in Sachsen-Anhalt ein Urnenwald nur auf kirchlichen und kommunalen Flächen angelegt werden. „Es kann und darf nicht jeder einen Ruheforst einrichten.“ Womöglich unterscheiden sich noch weitere Rahmenbedingungen in anderen Bundesländern von denen hier. „Das müssten wir uns noch einmal ganz genau anschauen.“

Doch momentan gebe es eben eh keine konkreten Pläne. Dabei hätte diese Alternative zum traditionellen Friedhof doch tatsächlich ihre Anhänger. „Ich denke da zum Beispiel an Menschen, deren Kinder irgendwo in der Ferne leben und arbeiten und sich später nicht um die Grabpflege kümmern können.“ Eine individuelle Pflege der Grabstellen ist in der Regel nicht erlaubt oder unmöglich. Und: Es gebe nun einmal keine natürlichere Umgebung für die Asche eines Toten als die Wurzeln eines Baumes. „Es ist und bleibt ein interessantes Thema für uns.“ Ursprünglich waren Waldbestattungen gerade unter Nomadenvölkern verbreitet und mit naturreligiösen Vorstellungen verbunden.

Von Marco Hertzfeld

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