Stendal: „Können die Arbeit nicht mehr in guter Qualität leisten“

Aus für Unicef-Gruppe: „Unsere Personaldecke ist zu dünn“

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Stendal. „Es ist vorbei. “ Die größte Stadt der Altmark hat den letzten Auftritt der einzigen Unicef-Gruppe im Norden Sachsen-Anhalts mit mehr als 100 Mädchen und Jungen aus sechs Klassen von fünf Stendaler Grundschulen ausgerechnet bei einem Jubiläum erlebt.

 Der 20. Geburtstag von Unicef Stendal wurde auf der Bühne am Sperlingsberg gefeiert, die nach dem Rolandfest für das bunte Ereignis aufgebaut blieb.

Christine Kinsky gibt ihren Unicef-Ausweis zurück. Falls sich jemand findet, der die Gruppe vor dem Aus retten will, der kann sich bei ihr unter Telefon (03931) 312 847 melden.

So hält Christine Kinsky ihren Ausweis, der sie als Ehrenamtliche im Dienste des international renommierten Kinderhilfswerks legitimiert, am Mittwoch beim Besuch in der AZ-Redaktion noch recht stolz in Händen. Aber die 68-Jährige wird das Dokument nun abgeben. „Die Unicef-Gruppe Stendal löst sich zum 31. Juli auf“, zitiert die Stendalerin aus der offiziellen Erklärung. Und es klingt sehr viel Wehmut in Kinskys Stimme. Zwei Jahrzehnte lang hat die rührige Truppe um Leiterin Sigrid Nellessen das Geschehen in der Kreisstadt maßgeblich mitbestimmt. Sportlich spendabel etwa war der alljährliche „Lauf für Unicef“, bei dem zuletzt 3684 Kilometer und mit Hilfe von Eltern, Großeltern, Nachbarn und Gewerbetreibenden 1630 Euro zusammenkamen. Auch der Unicef-Grußkartenverkauf spülte dank Stendaler Engagement erkleckliche Beträge auf das Konto des Hilfswerks. So kamen beim jüngsten Stendaler Weihnachtsmarkt 280,50 Euro durch die Karten sowie 171,20 Euro aus Privatspenden zusammen. Bei der Weihnachtstombola 2015, die zusammen mit der Grundschule Nord auf die Beine gestellt wurde, betrug die Spendensumme weitere 550,69 Euro.

„Leider ist krankheitsbedingt unsere Personaldecke so dünn geworden, dass wir diese Arbeit nicht mehr in guter Qualität leisten können“, heißt es im offiziellen Abgesang. Dort steht auch, dass die zuletzt kaum noch ein halbes Dutzend starke Gruppe dazu beitragen wollte, „die Welt zu einem besseren zu Ort zu machen“. Leiterin Sigrid Nellessen hatte schon vor drei Jahren vergeblich eine Nachfolgerin gesucht und um neue Mitstreiter geworben.

„Wir danken allen Sponsoren, Mitarbeitern und Helfern“, erklärt die Gruppe, die bis Ende Juli noch allerlei abzuwickeln hat. So etwa muss das bisherige Vereinsdomizil im Wieckhaus auf dem Hof des Jugend-Freizeit-Zentrums „Mitte“ ausgeräumt werden, schildert Kinsky. Die Stendalerin bleibt derweil aber weiter viel ehrenamtlich aktiv. Die frühere Lehrerin und zuletzt als EDV-Angestellte in der Kreisverwaltung tätigeRentnerin hilft seit Jahren Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben. – Wie sich die Zukunft von Unicef in der Altmark gestaltet, ist unklar. Eine Anfrage der AZ an die Pressestelle in Berlin blieb bisher unbeantwortet.

Von Antje Mahrhold

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