Stendaler begrüßen den Vorschlag der CSU zu kostenlosen Verhütungsmitteln weitgehend

Umsonst-Pille „kann Sinn machen“

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Frauen bis 27 Jahre, die von Arbeitslosengeld II leben, sollen nach einem Vorschlag der CSU und einer Forderung von „ProFamilia“ Verhütungsmittel umsonst bekommen.

Stendal. Mit zaghafter Zustimmung gehen die Stendaler auf einen Vorstoß der CSU ein, der Verhütungsmittel für von Hartz IV lebende Frauen unter 27 umsonst zugänglich machen soll.

Laut Vorschlag der bayerischen Christsozialen soll das dazu führen, dass es weniger Abtreibungen gibt.

In Stendal wird das Thema noch abwartend betrachtet. Verbände, die mittelbar mit der Familienplanung oder Beratung zu tun haben, wollen sich noch nicht äußern. Marion Zosel-Mohr von der Freiwilligen-Agentur, die viele Familien- und Demografie-Themen aufgreift, ist nachdenklich: „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Schwangerschaftsabbruch ein harter Einschnitt im Leben einer jungen Frau ist“, sagt sie, „ein verantwortungsvoller Umgang mit der Verhütung ist auf jeden Fall sinnvoller als so ein drastischer Schnitt.“ Somit bekräftigt sie grundsätzlich den Vorstoß aus München. Zosel-Mohr kennt keine konkreten Zahlen, die die Kosten für Verhütung und eine Abtreibungsrate in Zusammenhang bringen, aber „wenn es an den Kosten der Verhütung scheitert“, meint sie, sollte man sich das Konzept durchaus zu Gemüte führen.

Von der „ProFamilia“ vor Ort war gestern niemand für die Presse zu sprechen, aber man verweist auf den Bundesverband, bei dem das Thema ins Schwarze trifft: Bereits im vergangenen Monat hat der „ProFamilia“-Bundesverband eine Petition auf den Weg gebracht, die kostenlose Verhütung für Menschen mit geringem Einkommen fordert. Und das, weil gerade Hartz IV-Empfänger mit einem geringen Posten für Arznei auskommen müssen. Die billigste Anti-Baby-Pille koste 4,50 pro Monat, aber die vertrage nicht jede Frau. Es sei ein häufiges Thema in der Beratung, dass das Geld für Verhütungsmittel nicht reicht.

Der CDU-Bürgermeisterkandidat Klaus Schmotz hatte gestern keine Zeit, sich zu diesem Thema zu äußern. Anders Kandidat Reiner Instenberg (SPD). Er sieht „am liebsten dreimal hin, wenn die CSU etwas vorschlägt“, erklärt aber: „Für mich ist Verhütung kein Menschenrecht“, sagt er mit Blick auf eine entsprechende Veröffentlichung von „ProFamilia“, „aber es darf nicht am Geld scheitern“. Dass im Hartz IV-Satz zu wenig Geld für Arznei ist, sieht auch Instenberg. Teile der Regelung seien deshalb „erbärmlich“, sagt er unumwunden. Für ihn ist die Anregung deshalb sinnvoll.

„Stinkt nach Vorurteil, kann aber Sinn machen“, sagt Dr. Thomas Kliche, Professor für Bildungsmanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Verlässliche Familienplanung sollte für alle erschwinglich sein. Nebenbei würde die Grundsicherung leicht zunehmen. Aber Begründung und Beschränkung auf bis zu 27 Jahre rücken den Plan ins Zwielicht.“ „Also ohne Altersgrenze“, appelliert er, „Familienberatung und die ärztliche Verschreibung würde das Alter schon im Blick behalten.

Und Kliche geht noch einen Schritt weiter: „Was alle brauchen, sind die wirkungsvollsten Maßnahmen der Familienpolitik: bessere Gleichstellung und breite Kita-Versorgung mit hochwertiger Frühförderung. Quantitativ kann Bayern da von Sachsen-Anhalt lernen, qualitativ sollten alle Länder zulegen.“

Von Kai Hasse

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