Von Woche zu Woche

Es bleibt ein bitterer Beigeschmack

Was sind das nur für ewig Gestrige, die sich „Altmärkischer Kreis der Bismarckfreunde“ nennen und mit ihrer rechten Gesinnung nicht nur diese schillernde Persönlichkeit der deutschen Geschichte in Verruf bringen, sondern auch deren Geburtsort Schönhausen an der Elbe im Landkreis Stendal und alle, die Bismarcks Verdienste in Ehren halten und mit vielerlei Veranstaltungen zu seinem 200. Geburtstag würdigen.

Nach Tröglitz, wo ein Haus in Brand gesetzt wurde, in dem Asylbewerber untergebracht werden sollen, ist in dieser Woche auch das beschauliche Schönhausen in ein rechtes Licht geraten. Die „Bismarckfreunde“ feierten dort den 200. Geburtstag des ehemaligen Reichskanzlers – umringt von einer Hundertschaft Polizei und im Schatten einer friedlichen und bunten Gegenwehr.

Die Rechten hatten 150 Mitglieder von NPD und rechten Kameradschaften für ihren Missbrauch des Bismarck-Geburtstages mobilisieren können. Dem Aufruf zur Gegenwehr des „Bündnisses für Demokratie und Weltoffenheit“ folgten leider nur 100 Menschen. Das ist schade und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Die Schönhausener sind doch stolz auf ihren großen Sohn, der besonders jetzt, in seinem 200. Geburtsjahr, in den Fokus rückt. Im Bismarck-Jahr blicken nicht nur Geschichtsfreunde auf Schönhausen, sondern auch viele Touristen, die durch ganz spezielle Angebote an Bismarcks Geburtsort gelockt werden.

Wenn Schönhausen mit dieser Persönlichkeit deutscher Geschichte werben will, dann muss Protest gegen ewig Ges-trige, die Bismarcks Namen in Verruf bringen, anders aussehen. Da hilft es auch nichts, wenn Bernd Kloss vom Demokratiebündnis appelliert, auf unsere Gesellschaft aufzupassen, und sich der erste Beigeordnete des Landrates, Dr. Denis Gruber, dankbar für die bunte Gegenwehr zeigt und dazu ermuntert, eine Willkommenskultur zu leben. Damit das nicht falsch verstanden wird – solche Appelle sind gut und wichtig, aber wenn die Gegendemonstranten gegenüber den Demonstranten in der Unterzahl bleiben, dann ist das einfach nur traurig und hoffentlich kein Zeichen für Gleichgültigkeit, Desinteresse oder gar Sympathie mit den ewig Gestrigen.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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