Nach OP und Therapie ist alles gut

Überlebenswahrscheinlichkeit lag bei einem Prozent: „Oskar ist ein Strahlemann“

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Oskar, der Junge, für dessen Therapie der Verein „Stark fürs Leben“ 2015 ein Benefiz-Turnier ausrichtete und Spenden sammelte, ist ein zwar zierlicher, aber agiler Kerl geworden. Vor Jahren (kleines Bild) hatte er schlechte Überlebenschancen.

Stendal. Oskar isst gern Wurst, die in Teddy-Form. Und er isst gern Fleisch. Und Milchcrème-Leckereien. Für Oskars Eltern Christina und Daniel Herrmann zählt vor allem eins: Oskar isst.

Dass das überhaupt so gut geht, hat die Familie Menschen aus der Altmark zu verdanken. Den Altmärkern und Oliver Beck vom Verein „Stark fürs Leben“.

Oskar ist der kleine Junge, für den der Verein vor einem Jahr ein Benefiz-Turnier veranstaltet hatte. Oskar ging es mies. Bei einem Prozent lag seine Überlebenswahrscheinlichkeit wegen einer Fehlbildung der Speiseröhre. Das ist operiert. Oskar hat gelernt zu essen – durch eine aus Spenden finanzierte Therapie.

Wir treffen uns in einem Café. Oskar geht vor, streckt dem fremden Zeitungsmann forsch die Hand entgegen. „Unser Oskar ist ein Strahlemann“, freut sich die Mutter Christina über den aktiven, aber zarten Jungen. Sie sagt: „Mit 2016 kam das Glück zurück.“ Es ist Ruhe in den familiären Alltag gekommen, Oskar ist immer stabiler. Die Therapie, um den Jungen von der ihn ernährenden Magensonde zu entwöhnen, hat viel gebracht. Sie wurde fast vollständig durch die Spenden der Altmärker finanziert. „Wir fühlen uns wieder wie Eltern und nicht wie Krankenschwestern“, sagt Vater Daniel. Er und seine Frau sind gelernte Krankenpfleger und konnten sich zu Hause um ihren Sohn kümmern – zu oft als Fachpersonal, zu selten als normale Eltern.

Aber ganz überwunden ist der Schock über die Verletzlichkeit des Kindes nicht. Christina Herrmanns Augen sind feucht: „Die Angst sitzt tief.“ Wenn er hustet oder einen Schnupfen hat, kommen die nagenden Sorgen wieder. Wenn es kalt ist oder irgendein alltäglicher Krankheitsherd droht, plagt sie sich: Noch einen Pullover anziehen? Manches besser lassen? Aber Oskar wirkt gesund. Und statt wie in den vergangenen Jahren ewig in Krankenhäusern zu verbringen, fährt die junge Familie heute eher in den Urlaub: Ostsee statt Krankenhaus.

„Wir wollen Danke sagen“, so Christina Herrmann. „Ohne die Spender und die Hilfe hätten wir das nicht geschafft. Es ist wunderbar zu merken, dass man nicht alleine ist.“

Oskar ist das Gespräch zu öde. Er wuselt zwischen den Tischen, plauscht mit dem Personal und Kindern am Nachbartisch. Zwischendurch darf er von Papas Schokoeis naschen. Am Nachmittag wird er mit seinem Feuerwehr-Spielzeug hantieren. Er muss üben. Schließlich will er Feuerwehrmann werden.

Von Kai Hasse

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