Einrichtung bilanziert das vergangene Jahr / Viele Tiere vermittelt / Kapazitäten erschöpft

Stendaler Tierheim versorgt 286 Stubentiger

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Die Auszubildende Friederike Griese kümmert sich um den Kater „Paul“ der kürzlich als Fundtier in das Tierheim kam. Insgesamt 286 Fundkatzen wurden im vergangenen Jahr im Stendaler Tierheim versorgt.

Stendal. Traurige Augen und ängstliches Verhalten können das Ergebnis sein, wenn Frauchen oder Herrchen ihren Vierbeiner im Tierheim abgeben oder, im schlimmeren Fall, aussetzen.

Obwohl regelmäßig Info-Veranstaltungen oder Aufklärungsaktionen stattfinden und das Aussetzen von Tieren hohe Geldstrafen bedeuten kann, müssen jährlich nahezu 200 000 Tiere in den Tierheimen aufgenommen werden. „Diese Situationen erleben wir fast täglich, sodass es im Jahr 2015 für unser Tierheim positive, aber auch nachdenkliche Abschnitte gab“, sagte die Rolandstädter Tierheimleiterin Antonia Freist, die kürzlich auf ihre einjährige Amtszeit zurückblicken konnte.

„Aber Dank des kollektiven Handelns der Mitarbeiter, der ehrenamtlichen Tierfreunde aber auch durch die gute Zusammenarbeit mit unseren Außenstellen in Osterburg und Tangerhütte konnten wir die verantwortungsvolle Arbeit im vergangenen Jahr meistern“, so Freist. Im Jahr 2015 wurden 286 Fundkatzen, 176 Hunde und 17 sonstige Tiere wie Vögel, Meerschweinchen oder Kaninchen in der Einrichtung versorgt. Hinzu kamen laut Freist 73 Abgabetiere, die beispielsweise durch den Tod des Halters im Tierheim aufgenommen wurden. „Wir freuen uns, dass nach ausführlichen Gesprächen und Ratschlägen 219 Katzen, 83 Hunde und 39 Kleintiere ein neues Zuhause bekamen. Aber die Kapazitäten des Tierheims sind dennoch erschöpft. Traurig ist, dass viele Tiere von ihren ehemaligen Besitzern leider nichts mehr gehört haben“, berichtet die Leiterin im AZ-Gespräch.

Freist zeigte sich auch über die große Anzahl der zu versorgenden Katzen besorgt. „Das Problem des ungewollten Katzennachwuchses bedarf einer Lösung, etwa durch Kastration.“ Durch die Bevölkerung, die der Einladung zum „Tag der offenen Tür“ am Tierheimfest und der Aufzeichnung der Fernsehserie „Tierisch, tierisch“ gefolgt waren, gewinnen die Mitarbeiter den Eindruck, dass die Tierheimarbeit im öffentlichen Leben immer mehr Beachtung findet. Die Besuche von Politikern sowie von städtischen Einrichtungen und vielen Schulklassen erhärten diesen Eindruck. Die engen Kontakte zum Berufsbildungswerk im Bereich der Ausbildungsarbeit, die Möglichkeiten zum Ableisten eines freiwilligen ökologischen Jahres und die Einsätze von fast 50 ehrenamtlichen Tierfreunden wirken sich positiv auf die Arbeitsbereiche aus. Die Verbesserung der Ausläufe, die Fertigstellung des neuen Katzenhauses, der Bau einer modernen Kläranlage und die Ausstattung der Betreuungsbereiche tragen zur besseren Versorgung und Haltung der Tiere. Für das Jahr 2016 haben sich die Mitarbeiter vorgenommen, das zweite, alte Katzenhaus zu erneuern, die Einzäunungen zu sanieren und für eine noch artgerechtere Tierhaltung zu sorgen.

Von Klaus Pohlmann

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