Belgienrückkehrer Dr. Kersten sieht Reitsport als wachsendes Aushängeschild

Tierarzt mit Steckenpferd an Schockemöhles Seite

Das Stutfohlen ist erst zwei Tage alt, seine Mutter lässt noch keinen heran. Allein Dr. Andreas Kersten und eine Handvoll Karotten schaffen eine gewisse Nähe. Die Leidenschaft für Pferde bekam er quasi in die Wiege gelegt, Großvater Bernhard Grube züchtete Kaltblüter.

Kossebau. Ein erdbrauner Wildfang tobt über die Wiese, gerade einmal zwei Tage alt. Die Mutter lässt ihren blutjungen Nachwuchs nicht aus den Augen. „Pferde sind doch etwas Wunderbares“, schwärmt Dr. Andreas Kersten.

Der Veterinär ist nach 20 Jahren wieder in seine alte Heimat Kossebau gezogen. „Springreiten ist sozusagen mein Steckenpferd“, berichtet der 54-Jähriger und blickt immer wieder einmal hinüber zum jüngsten Spross seiner eigenen Zucht. In Fachkreisen ist der Ostaltmärker kein Unbekannter. Nach dem Studium in Leipzig, arbeitete er unter anderem zwei Jahre auf dem Gestüt von Paul Schockemöhle, einer deutschen Pferdesportikone, betrieb mit einem Kollegen eine Fachpraxis im Raum Aachen und betreute nicht zuletzt federführend die Pferde beim renommierten internationalen Turnier CHIO.

„Die Zeit für eine Rückkehr war reif.“ Ehefrau Franziska, ebenfalls promovierte Tierärztin und vor Kurzem SPD-Landtagskandidatin, arbeitet schon länger als Tierseuchenreferentin im Magdeburger Landwirtschaftsministerium. Die Kinder gehen zunehmend ihre eigenen Wege, auch wenn der Zusammenhalt in der Familie weiter groß sei. Tochter Friederike (23) studiert in der Landeshauptstadt Humanmedizin, Sohn Ludwig (21) in Halle Betriebswirtschaftslehre. Dr. Kerstens Eltern sind beide Mitte 80. „Entweder man kümmert sich um den Hof der Eltern oder nicht. Und wenn man sich kümmern will, muss man auch vor Ort sein, anders geht das nicht.“ Mutter und Vater bleiben in ihren Zimmern wohnen, der Tierarzt und seine Frau richten sich im sogenannten Altenteil ein. „Wir haben hier alle jede Menge Platz, da kommt keiner zu kurz.“ In einem Nebengebäude hat sich der Heimkehrer ein Labor geschaffen. Die mobile Pferdepraxis ist seit März unterwegs, an Bord befinde sich alles, was zur Behandlung von Sportpferden in der Region und darüber hinaus so nötig sei, sogar ein modernes Röntgengerät. Dr. Kersten hat auch Patienten in Magdeburg und drum herum.

Der Veterinär hat von Westdeutschland aus gearbeitet und mit der Familie hinter der Grenze in Belgien gewohnt. Dass sie dort gelandet waren, sei mehr oder minder Zufall und beruflichen Kontakten zu verdanken gewesen. „20 Jahre sind schon eine lange Zeit. Die Kinder sind dort zur Schule gegangen und haben ihr Abitur gemacht. Wir haben im deutschsprachigen Gebiet gewohnt und nicht im französischen oder niederländischen, das war für uns alle von Vorteil“, meint der Familienvater und schmunzelt. Die Verbindungen in die alte Heimat seien nie ganz abgerissen, nicht nur wegen seiner Eltern.

„Die Altmark ist nach wie vor landschaftlich wunderschön. Alles andere wird sich ergeben. Ich setze auf die Autobahn, zumal sie in Richtung Magdeburg auch unser Familienleben sehr vereinfachen würde. Wir kommen dann besser und schneller zueinander.“ Da die Altmark reich an Pferdesportlern, Züchtern und aktiven Vereinen sei, sieht Dr. Kersten die Zukunft der Region ein Stück weit auch in diesem Bereich. „Pferde, Pferdesport und Zucht können ein noch größeres Aushängeschild für die Region werden“, ist der Kossebauer gerade mit Blick auf das Pferdesportzentrum und die Besamungsstation in Krumke überzeugt und lobt die dortige Arbeit von Dr. Frank Klakow.

Der Belgienrückkehrer saß auch selbst im Sportsattel und hat einige Jahre lang den Wettkampf gesucht. „Seitdem das meine Tochter eindeutig besser kann, bin ich nur noch der ,Turnierknecht’ und betreue die Pferde“, meint Dr. Kersten im AZ-Gespräch amüsiert. Friederike und ihr Toppferd „Cruzianer“ haben sich schon mehrfach Lorbeeren bei Meisterschaften verdient.

Von Marco Hertzfeld

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