Fachfirma im Einsatz gegen ein Übermaß an Jakobi-Tauben

Tauben in Stendal: „Flattern um ihr Leben“

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Der gestrige Blick auf das Kirchendach und die Mauer der Jakobikirche zeigte ein friedliches Taubenleben.

Stendal. „Wir ärgern die Tauben ein wenig“, sagte ein Mann, der sich mittels eines Krans auf Höhe des Dachs des Stendaler Jokobikirche befördert hatte.

Am Freitag wurde an der Kirche gearbeitet.

Zugegeben, die Vögel stören den ein oder anderen Anwohner vor allem ob ihrer Hinterlassenschaften und des Gurrens (AZ berichtete). Trotzdem wandten sich Leser gestern an die AZ, da sie um das Wohl der Tiere besorgt sind. Eine Leserin, die in der Nähe des Gotteshauses wohnt, beobachtete das Geschehen und vermutete zunächst „Reinigungsarbeiten am Dach“ aufgrund der starken Verschmutzung durch den Taubenkot. „Doch nun sind dort die Tauben im Verschlag eingesperrt und flattern um ihr Leben. “ Im sozialen Netzwerk Facebook regt sich ebenfalls Empörung. „Die Tauben kommen nicht an ihre Brut, die Schreie der Babys höre ich bis ins Geschäft“, heißt es unter anderem. Mit dem Ansatz, das Veterinäramt verständigt zu haben. Dies habe mit „der Bewahrung der Schöpfung“ nichts zu tun, kommentiert ein anderer.

Pfarrer Thomas Krüger kennt die Vorwürfe, die die Geschäftsfrau, die „nicht in der Nähe der Kirche wohnt“, aufstellt. Sie habe der Argumentation, die das Pfarramt zur angespannten Situation mit den Tauben hat, nicht folgen wollen und sei fest in ihrem Glauben.

Fakt ist, laut auftraggebendem Pfarrer, dass die Population der Vögel über das Maß hinaus angewachsen ist. Durch einen Schaden am Dach im vergangenen Jahr gelang es den Tieren, sich im Dachstuhl auszubreiten. Die Folge: viele Nester mit viel Nachwuchs. Nicht nur das Gebäude als Pilgerkirche auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella nimmt dadurch Schaden – „der Dachreiter ist dreiviertel voll mit Kot“. Der Denkmalschutz sei über den Zustand nicht erfreut. Eben jener Taubendreck gefährde die Gesundheit aller Anwohner.

„Uns liegt der Naturschutz auch am Herzen“, sagte Krüger gestern Nachmittag im Gespräch mit der AZ. Allerdings sei die Stadt vornehmlich Lebensraum für die Menschen.

Der Mann auf dem Kran gehört einer zertifizierten Fachfirma an, die sich darauf spezialisiert hat, einem solchen Übermaß an Tieren anzunehmen und diese „fachgerecht zu entsorgen“. Dazu wurden die Einflugsöffnungen verschlossen. Und dies geschehe in Sachen Tierschutz nicht gegen geltendes Recht. „Die Tiere brüten rund ums Jahr, da das Wetter und die Stadt optimale Bedingungen bietet“, schließt Krüger. Zu viele dieser Tiere würden den Menschen und Gebäuden schaden.

Von Alexander Postolache

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