Berliner Improvisationskünstler zieht im Stendaler Dom St. Nikolaus alle Register

Da tanzt die Orgel crossover

+
Die Orgel im Dom kannte, ausgelöst vom meisterlichen Spiel des Berliner Improvisationskünstlers Joachim Thoms, keine Tongrenzen mehr.

hh Stendal. Das war ein „Hinübergleiten“ im Tanzschritt des Orgelspiels durch die verschiedenen Motive bekannter Komponisten, ein „Hinübergeleiten“ vom Barock über die Romantik in die Jazzregionen, das den Zuhörer im Sonntagskonzert der Sommersaison im Dom St. Nikolaus überraschte.

Zu Recht hatte der Berliner Organist und Improvisationskünstler Joachim Thoms seinen Beitrag „Die Orgel tanzt crossover“ genannt.

Am Anfang, bei Johann Sebastian Bach, blieb der Organist noch bei Bach selbst. Er war ja bereits zu Lebzeiten für sein Improvisieren bekannt. So erhoben sich die Arpeggien der d-Moll Toccata klanggewaltig in den Kirchenraum; gefielen sich in Variationen sowohl in der Melodieführung als auch im Rhythmus.

Auch Edward Griegs „Morgenstimmung“ aus seiner Peer Gynt-Suite erhielt motivische Veränderungen. Hier erspielte der Interpret in expressionistischer Manier Gefühlswallungen zum Stimmungsbild des Tongemäldes.

Spätestens bei „Pomp ans Circumstance“ hielt es Joachim Thoms nicht mehr nur bei diesem Komponisten. Klug durch Registrierung das Volumen der großen Domorgel nutzend, schlichen sich zwischen die Originalmotive der Komposition im Pedal die Glockentöne von Westminster und darüber im Manual Griegsche Motive: Der Säbeltanz Aram Chatschaturjans veranlasste den Improvisierenden zu einem lustigen Ausflug mit Peter und dem Wolf. Er ließ ihn ohne Wolf in die Höhle des Bergkönigs blicken. Ein vergnügliches Unterfangen ohne hörbare Schadensfolgen.

Im zweiten Teil glitt das Orgelspiel von Joachim Thoms in die Neuzeit der Improvisation zum Jazz. Jetzt kannte die Orgel, ausgelöst vom meisterlichen Spiel des Berliner Gastes, keine Tongrenzen mehr. Lyrisch und rhythmisch akzentuiert, gab es unter anderem Henry-Porter-Melodien und Tango-Rhythmen, bevor im finalen Countdown noch einmal alle Register erheiternd aufreizender Klänge den Raum füllten. Der Beifall ließ nicht locker, bis auch noch eine Zugabe die Sommerimprovisationen vollendeten.

Kommentare