Doppelkreuzung vor Marienkirche gefährlich turbulent / Stadt und Polizei bleiben entspannt

Stress pur in der Tempo-20-Zone

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Kinder und Erzieherin wünschen sich in diesem Moment vermutlich eine Ampel oder zumindest einen Fußgängerüberweg. Auch wenige Meter weiter vor der Marienkirche geht es regelmäßig turbulent zu. Alle Verkehrsteilnehmer müssen hellwach sein, damit nichts Schlimmes passiert.

Stendal. Ein älterer Mann nimmt seine Frau an die Hand und geht vorsichtig weiter. Ein Radfahrer steigt lieber ab und schiebt. Ein ganzer Schwung Autofahrer will plötzlich vom Kornmarkt auf die Breite Straße. Ein Wölbspiegel würde ihn für andere frühzeitiger erkennen lassen.

Es wird eng, einige haben es besonders eilig und sind genervt. Schnell staut sich der Verkehr bis zur Einmündung Bruchstraße, wo weitere Pkw stehen. Eine Kindergartengruppe traut sich nicht so recht auf die andere Seite und wartet minutenlang ab. Die Doppelkreuzung zwischen Marienkirche und Kaufhaus Ramelow ist gerade in Stoßzeiten eine Herausforderung für alle. „Eine verdammte Miststelle“, schimpft ein Jugendlicher, der an diesem Vormittag leicht übermütig kurz vor einem Laster hinübergelaufen ist. Wer hier nicht wirklich hellwach ist, dem kann schnell einmal etwas passieren, so scheint es.

Im gesamten Bereich gilt Tempo 20. „Hält sich jeder Verkehrsteilnehmer an diese Beschränkung, ist die Einmündung Kornmarkt in die Breite Straße vollkommen ungefährlich zu passieren“, ist Klaus Ortmann überzeugt. Allein durch Falschparker sei die Sicht von der Breiten Straße in den Kornmarkt, eine Einbahnstraße, mitunter erschwert. Von einem möglichen Verkehrsspiegel will der Stadtsprecher nichts wissen. „Die Stellplätze sind so angelegt, dass eine gute Sicht in die Einmündung gegeben ist. Hier ist die Kontrolltätigkeit des Ordnungsamtes, den ruhenden Verkehr betreffend, bereits verstärkt worden.“ Ähnlich sei die Situation wenige Meter weiter an der Kreuzung vor dem Kaufhaus: „Tempo 20 und die gute Übersichtlichkeit des Areals sorgen normalerweise für reibungslosen Verkehrsfluss. Häufig ist zu beobachten, dass den Fußgängern der Vorrang gewährt wird, Fahrzeuge dafür anhalten.“

Einen Fußgängerweg oder gar eine Ampel an der zweiten Kreuzung einzurichten, darüber ist in der Vergangenheit immer wieder einmal in Politik und Verwaltung diskutiert worden. „Diese Forderung ist gewissenhaft mit allen zuständigen Behörden bereits mehrmals geprüft worden. Das Ergebnis ist bekannt“, erinnert Stadtsprecher Ortmann. Überhaupt lägen im Rathaus aktuell keine Beschwerden im Zusammenhang mit der Verkehrsführung im Bereich zwischen Marienkirche und Kaufhaus vor.

Die Polizei hält einen Hohlspiegel vor der Kirche ebenfalls nicht für notwendig. „Der Fahrzeugführer muss langsam an die Einmündung heranfahren und sich gegebenenfalls hineintasten. Dies trägt zur Verkehrsberuhigung bei“, betont Franziska Hain. Schon allein die Regel „Rechts vor Links“ halte das Tempo niedrig. Auf Fußgängerüberwege oder Ampeln in solchen Niedrigtempozonen werde grundsätzlich verzichtet, da die Menschen an vielen Stellen die Fahrbahn überqueren würden. Die Polizeisprecherin: „Nicht nur der Fahrzeugverkehr, auch die Fußgänger haben sich an die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung zu halten.“ Zwischen 2013 und Mitte 2016 seien für beide Kreuzungen insgesamt nur fünf Unfälle registriert worden. In der Mehrheit fuhr dabei ein Pkw auf einen anderen auf oder ein Wagen kam beim Abbiegen einem anderen allzu nah. Verletzt wurde in all den Fällen niemand.

Ein ungutes Gefühl dürfte bei vielen Menschen dennoch bleiben. Stadtsprecher Ortmann glaubt, dass sich die Aufregung in absehbarer Zeit legen wird. „Derzeit herrscht aufgrund der zahlreichen Straßensperrungen in der Innenstadt eine angespannte Verkehrssituation, die eine erhöhte Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme erfordert und natürlich auch etwas Geduld. Besser ist es momentan, die Innenstadt zu umfahren, wenn das Ziel nicht im Zentrum liegt.“

Von Marco Hertzfeld

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