Hundefreund sieht seine Rechte verletzt / Ordnungsbeamter verletzt sich am Ellenbogen

Streit über die Hundeleine eskaliert

nt Stendal. Wurde ein 32-jähriger Ordnungsbeamter, weil er sich nicht als solcher zu erkennen gab, das Opfer bei einer Auseinandersetzung mit Körperverletzungen? Diese Kernfrage stellt sich bei dem Berufungsverfahren, das derzeit am Landgericht verhandelt wird.

Was war passiert? Ein 46-jähriger Hundebesitzer übte auf einem öffentlichen Platz mit seinem Vierbeiner apportieren. Der Ordnungsbeamte P. sah das und bat ihn, den Hund anzuleinen. Die Erwiderung: Der Hund sei angeleint – weil er eine Leine um den Hals trug. Das reichte dem Beamten nicht, er wollte nun ein Foto von der dem Hund machen, um die Sache später besprechen zu können. Dazu hatte er aber, fand der Hundebesitzer, kein Recht. Er hielt den Ordnungsamtsmitarbeiter für einen Mitarbeiter des Bauhofes. Als der Beamte sein Handy zum Fotografieren zückte, schlug ihm der Hundebesitzer auf die Hand, sodass er es fallen ließ. Als P. es wieder aufhebt, kommt es zu einer Rangelei zwischen den Männern, bei der P. auch gewürgt worden sei. Außerdem soll sich der Beamte am Ellenbogen verletzt haben, sodass er neun Wochen nicht arbeiten konnte.

Soweit die Geschichte, wie sie das Amtsgericht Stendal gesehen hat. Das Gericht hatte den Hundehalter bereits 2014 zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Anklage: Widerstand gegen Vollziehungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung. Der Beschuldigte hingegen meinte, er habe sich nicht strafbar gemacht, weil sich der Ordnungsbeamte nicht als solcher vorstellte und er diesen wegen seiner Kleidung für ein Bauhofmitarbeiter hielt. Demnach wären seine Rechte durch ein ungenehmigtes Foto verletzt und seine Handlungen angemessen gewesen. Also ging er in Berufung – der Fall landete im Landgericht.

Dort stellte die Szene je nach Perspektive etwas anders dar: „Machen Sie die Leine fest!“ habe P. unvermittelt den Angeklagten angeschrien, sagte der. Der Mann habe sich nicht vorgestellt, wollte aber umgehend ein Foto machen. Der Hundebesitzer habe dem Mann das Handy wegnehmen wollen, um eventuell aus seiner Sicht unberechtigt gemachte Fotos zu löschen. Daraufhin kam es zur Rangelei, bei der er selbst – nicht der Ordnungsamtsmitarbeiter – gewürgt worden sei.

P. sah die ganze Sache so: Er habe den Mann beobachtet und ihn gebeten, den Hund anzuleinen. Ob er sich vorgestellt hat, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Um den Fall weiter verfolgen zu können, wollte er ein Beweisfoto machen. Er habe seiner Pflicht nachkommen müssen, bestand deshalb auf ein Foto. Beim Herausholen habe der Hundebesitzer ihm das Handy aus der Hand geschlagen. Und er – der Beamte – sei gewürgt worden. Ein Zeuge berichtete, dass er gehört habe, wie der Hundebesitzer mehrmals P. um Löschung des Bildes bat. Dann soll es zu dem Handgemenge kommen sein.

Der nächste Prozesstag ist der 27. März.

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