13 junge Migranten entwickeln Ideen für leerstehende Gebäude

Stendaler feiern spontan „Respekt!“ am Theater

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Englisch, Französisch, Arabisch und Deutsch – in diesen Sprachen wurden Verfassungsinhalte, Glaubensregeln und Leitsprüche auf den Theaterplatz geschrieben.

xp Stendal. „Dehnungsfuge –Demokratie leben“, das Bundesprojekt, in dem versucht wird, leer stehende Gebäude mit kulturellem Leben zu erfüllen, hat im Theater der Altmark einen produktiven Partner gefunden.

David Leonard beschäftigt sich seit Januar mit jungen Syrern, die zurzeit in der Altmark leben. Kultur soll helfen, ihnen bei der Integration hilfreich zur Seite zu stehen. In einem „Club der Experten“ fanden sich 13 junge Migranten im Alter von 17 bis 25 Jahren zusammen. In gemeinsamen Workshops ließen sie ihrer Fantasie freien Lauf – entsprechend ihrer Fähigkeiten unter der „Spielvorgabe“: „Was stellt ihr euch unter einem Grandhotel vor, das euch hilft in Deutschland zu leben?“ Erstaunliches kam in sieben Tagen gemeinsamer Werkstattarbeit mit den jungen Syrern heraus. Am Sonnabendabend stellten sie ihr Ergebnis im Rangfoyer des Theaters, sich selbst und ihr Modell in einer „Doppelschau Arche 2.0“ vor.

Ein Friseur, ein Interessent für Tontechnik, ein handwerklich Begabter, der studieren möchte, ein Krankenhauspraktikant, ein Schneider und ein Computerfan ließen in Kurzinterviews mit David Leonard ihren Gedanken freien Lauf. Gebaut hatten sie mit Hilfe der Theaterwerkstätten und Ausstatter ein Mehrstockhaus, ihr „Grandhotel“ mit Clubräumen im Parterre, Tischtennisplatten und Billard, mit Gesprächsräumen und Gedankenaustauschmöglichkeiten im 1. Stock. Zudem fanden sich „in der 2. Etage“ Ausstellungsräume und Möglichkeiten für Kulturveranstaltungen sowie im Obergeschoss schließlich Übernachtungen für Bedürftige in Einzel- und Doppelzimmern. Gespräche und Realisierungsmöglichkeiten kamen im zweiten Teil der Veranstaltung im Theatercafé schnell in Gang – eine Art Ergänzung zum etablierten „Welcome-Café“. Das Ganze, so stellte sich heraus, war nicht nur so ein „schönes Gedankenspiel“. In Stendal reifen Überlegungen heran, die „Kleine Markthalle“, Ecke Hall- und Karlstraße, für ein derartiges Projekt zu nutzen – klein zunächst, aber immerhin ein realer Anfang in der Hansestadt.

Ein Miteinander und ein Kennenlernen gab es im Zuge der Stendaler Kulturnacht im Vorfeld der beschriebenen Präsentation auf dem Theatervorplatz.

Pädagoge Robert Grzywotz brachte über 50 Menschen in der Performance „Respekt!“ zum Singen und Tanzen mit tieferem Sinn. Dabei konnten die Besucher der „Menscheninstallation“ zunächst aus fünf Grundgedanken wählen, die sich um Stichworte wie „Würde“, „Gleichheit“, „Glauben“ und „Nächstenliebe“ drehten. So waren bei diesem spontanen Stück vielleicht nicht alle einer Meinung, wussten aber um den Respekt vor der jeweils anderen.

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