Fünfmal ausverkauft: Laien-Clubs erobern die TdA-Bühne / Nicht endender Beifall zur Premiere

Stendal: Wo Zusammenhalt auf Gefühl setzt

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Begeistert gefeiert wird das neue Stück der Bürgerbühne.

Stendal. Die künstlerische Ausstrahlung des Theaters der Altmark (TdA) beweist sich nicht nur durch die Inszenierungen des kleinen Schauspielensembles. Vielmehr entsteht eine künstlerische Ausstrahlung auf Stadt und Region durch verschiedene Laienclubs des Theaters.

Das Stück entstand nach dem schwedischen Musikfilm „Wie im Himmel“, der für den Oscar nominiert war.

Am Freitagabend vereinten in der Regie von Robert Grzywotz Mitglieder der Junggebliebenen Altmärker, der Minimärker und des Theaterchores der Altmark ihre Talente zu einer künstlerisch beeindruckenden Energieleistung mit Kay Pollaks Stück „Wie im Himmel“ nach dessen Erfolgsfilm.

Die Geschichte eines berühmten Dirigenten, der sich in seinem Heimatdorf nach einem körperlichem Zusammenbruch eigentlich zurückziehen will, schließlich aber als Chorleiter die Ohren und Herzen der Menschen öffnet, ist von berührend emotionaler Tiefe durch die Laiendarsteller auf die Bühne gebracht worden. Die Zuschauer auf den Sitzreihen der Hinterbühne erleben das Wirken von Dirigent Daniel Dareus (Janko Claus) über die gesamte Raumtiefe des Theatersaals hinweg (Bühnenbild: Mark Späth).

Hier gelingen Regisseur Grzywotz sowohl staunenswerte Größeneindrücke, wie beim Gottesdienst des Pfarrers (Ulrich Wortberg), als auch intime Familienszenen zum Beispiel des Pfarrers und dessen Frau (Kathrin Musold), die dieser aufgrund seiner Starrheit letztlich aber verliert, weil sie sich dem Chor zugehöriger fühlt. Janko Claus überzeugt nicht nur die Mitglieder seines ursprünglich kleinen Ensembles vom Wirken der Musik auf den Menschen. Er nimmt sich auch der Sorgen der Bewohner an, ermuntert die vom Ehemann Conny (Stefan Kolata) gepeinigte Ehefrau (Linh Truong) Furcht zu überwinden und einen Soloauftritt zu wagen. Der gewachsene Teamgeist nimmt sie schützend auf.

Und dann zum großen Wettbewerb in Wien triumphiert die Fürsorge des Leiters, der vorher zusammenbricht, im Auftritt des Teams auch ohne seinen Leiter. Sie haben von ihm gelernt: „Zuzuhören und zu vermitteln mit Hilfe der Musik“. Vereint stehen sie in einem gelungenem Finalbild fröhlich singend auf der ganzen Breite der Bühne, während ihr Chef im seitlichen Vordergrund, abseits davon direkt vor den Besuchern erneut völlig zusammenbricht. Sein Wirken hat sich im Team, das er zusammengeführt hat, erfüllt.

Das Spielerkollektiv wuchs in der Inszenierung förmlich über sich hinaus, bestätigte den Stückinhalt durch zunehmend echten Zusammenhalt aus dem Gefühl heraus eine Form wahren menschlichen Zusammenlebens gefunden zu haben. Der nicht abreißen wollende Schlussapplaus am Premierenabend war verdienter Lohn für diesen Kunstgenuss. Alle fünf geplanten Vorstellungen sind ausverkauft.

Von Ulrich Hammer

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