Schriftverkehr mit Erbinnen verzögert die Versteigerung

Stendal-Süd wartet auf drei Türkinnen

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Die Raks-Blöcke sollen versteigert werden. Der Schriftverkehr mit den Bevollmächtigten der Eigentümer ist schwierig, drei türkische Erbinnen haben keinen Vertreter in Deutschland.

Stendal. „Der springende Punkt ist, dass die Eigentümer benachrichtigt werden müssen“, fasst Dr. Michael Steenbuck, Sprecher des Landgerichts, die aktuelle Lage der Raks-Blöcke in Stendal-Süd zusammen.

Die Blöcke könnten 2017 versteigert werden, ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen hat bereits Kaufinteresse bekundet (AZ berichtete). Dafür muss jedoch mit den Bevollmächtigten der Eigentümer aus der Türkei Kontakt aufgenommen werden -– darunter drei Damen ohne Vertreter in Deutschland.

Obgleich die Raks-AG die Wohnblöcke gekauft hat, steht die Gesellschaft nicht im Grundbuch. Dort sind zwei türkische Herren aufgeführt. „Der eine Herr hat eine Zustellungsbevollmächtigte, eine Anwältin, hier in Stendal“, so Steenbuck, „das ist kein Problem. Der andere Herr ist verstorben und hat drei Erbinnen, die keinen deutschen Bevollmächtigten haben.“ Daher müsse jeglicher Schriftverkehr über die Türkei laufen. „Das ist sehr langwierig und wir sind auch auf die Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden angewiesen“, so der Sprecher des Landgerichts.

Den Erbinnen sei vor einigen Wochen ein Wertgutachten für die Blöcke übersandt worden. Auf dieses Schreiben müssen sie aber nicht reagieren. „Im Zivilrecht kann jeder Mensch ein Verfahren betreiben, muss es aber nicht“, erklärt Steenbuck. Es könne lediglich versucht werden, das Gutachten und andere Schriftstücke zuzustellen. Diese müssten übersetzt werden.

Doch nicht nur der Kaufinteressent hat ein Interesse an einer möglichst zeitnahen Versteigerung. Auch die zahlreichen Gläubiger, zu denen unter anderem das Finanzamt Dessau-Roßlau, die Stadt Stendal und der Landkreis Stendal gehören, würden wohl einen schnellen Verfahrensablauf bevorzugen. „Aber auch wenn die drei Erbinnen überhaupt nicht reagieren, wird das Verfahren fortgesetzt“, betont Steenbuck. Die türkischen Prozessbeteiligten würden dann lediglich auf dem aktuellen Stand gehalten.

Von Mike Höpfner

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