Ordentliches Pflaster schränkt Ergebnisreichtum ein

Stendal: Spurensuche mit Hindernissen

+
Aktuell wird das Areal am Marktplatz grundhaft saniert.

Stendal. Was heute für einige Menschen auf der Erde als Fortschritt gilt und das Leben angenehmer macht, stellt für Archäologen ein großes Hindernis dar. Dies hat auch bei den Grabungen auf dem Stendaler Marktplatz seine Gültigkeit.

Wie berichtet, wurden in tieferen Erdschichten Knochenreste, Utensilien des täglichen Bedarfs und sogar Silberblech gefunden. „Nachdem der Platz gepflastert wurde – das war erstmalig um 1300 der Fall, was recht früh ist –, konnten sich nicht mehr in gewohnter Weise die Funde in dem Boden ablagern“, machte der Archäologe Dr. Manfred Böhme vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt deutlich. Damals handelte es sich zunächst im eine Pflasterung aus Feldsteinen. Dieses wird auch als „Lesepflaster“ bezeichnet.

Ein weiteres Hindernis in der Spurensuche ergibt sich daraus, dass die Stadtväter im 19 Jahrhundert einen „großflächigen Bodenaustausch“ vornahmen. Etwa 40 Zentimeter tief wurde damals die Erde aufgemacht. Die Experten gehen davon aus, dass dadurch vor allem mögliche Funde aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert verloren gingen. So blieben von der Geschichte einer zweiten Markthalle, jener aus dem 14. Jahrhundert, nur wenige Details erhalten. Dazu gehören unter anderem Fußböden einzelner Stände, die sich in jener Halle befanden. Die Archäologen hoffen, dass die daraus geborgenen Fundobjekte die Handelsgeschichte des 14. bis 16. Jahrhunderts widerspiegeln. Diese müssen erst gereinigt und gesichtet werden. Und werden zunächst im Landesdepot in Halle an der Saale gelagert.

Von Alexander Postolache

Kommentare