Kaum Kontakt zu den kleinen Dörfern und Gemeinden / Mangelnder Erfahrungsaustausch

Seniorenrat im Kreis Stendal will mehr Teilnahme

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Kontaktaufnahme und Hilfe unter den Senioren im städtischen Bereich funktioniert bereits gut. Der Kreisseniorenrat fordert eine stärkere Beteiligung der Senioren auf dem Lande.

Stendal. „Die Teilnahme der zuständigen Senioren aus den Gemeinden ist immer noch nicht so, wie wir uns das wünschen. Es fehlt einfach die Rückmeldung“, so bringt Dr. Manfred Kessel die Situation des Kreis- und Stadtseniorenrates auf den Punkt.

Dr. Kessel war viele Jahre Vorsitzender des Kreisseniorenrates, bis der mittlerweile 81-Jährige das Amt an seine Nachfolgerin Christine Paschke übergab. Der pensionierte Mediziner hat im Rahmen seiner Kritik vor allem die demografische Entwicklung der kommenden Jahre im Blick.

„Die Gruppe der Menschen über 65 Jahre wächst immer weiter. Ich habe bereits in den Sozialausschüssen des Kreistages im vergangenen Jahr Werbung für die Teilnahme gemacht und auf die Situation der älteren Menschen hingewiesen“, berichtet Dr. Kessel. Es gebe immerhin über 200 Dörfer und Ortsteile im flächenmäßig großen, jedoch dünn besiedelten Landkreis. „Die Nachbarschaftshilfe an sich war bereits etabliert und funktioniert ja auch ganz gut. Aber keine der Einheits- und Verbandsgemeinden hat einen Überblick, wie es letztlich funktioniert“, nimmt Dr. Manfred Kessel auch die Verwaltung in die Pflicht.

In jeder Gemeinde solle eine Person hauptamtlich für die Kommunikation mit den älteren Bürgern vor Ort verantwortlich sein. Dies gebe es bislang lediglich in Osterburg. „So eine Hilfestellung ist auch sehr wichtig. Einige ältere Menschen brauchen beispielsweise Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen“, bestätigt Marianne Heine, Vorstandsmitglied im Kreisseniorenrat und Mitglied der Stadtsenioren.

„In den Städten wie Stendal ist das auch kein großes Problem, aber auf dem Lande schon. Zum Beispiel ist der Seniorenrat in Vielbaum sehr gut organisiert. Über die Altmärkische Höhe erfahren wir hier aber gar nichts“, berichtet Heine.

Eine andere Thematik, mit der sich Dr. Kessel und Heine momentan beschäftigen, ist die geplante Pflegereform im kommenden Jahr. Der Bundestag hat das sogenannte Pflegestärkungsgesetz bereits verabschiedet, dies tritt 2017 in Kraft. Es wird unter anderem die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzen. „Da werden vor allem die kognitiven, also geistigen Fähigkeiten eine Rolle spielen. Und die Entscheidung zwischen ambulanter Pflege und dem Eintritt in ein Pflegeheim wird immer wieder ein Thema sein. Das sind Dinge, die uns am Herzen liegen“, so Dr. Manfred Kessel. Der Kreisseniorenrat besuche auch häufig Pflegeheime, um sich einen Überblick über die dortige Situation zu verschaffen. „Solche Erfahrungen können wir nicht weitergeben. Es wird nicht publik gemacht“, klagt Heine. Gerade im Bereich der medizinischen Versorgung fehle die Rückmeldung.

Von Mike Höpfner

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