Aufbauarbeit und das Image: Landrat Wulfänger glaubt an eine neue Wirtschaftskraft im Kreis

Stendal – das ewige Schlusslicht?

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Großbetriebe wie das Zellstoffwerk bei Arneburg sind im Landkreis Stendal derzeit noch mit der Lupe zu suchen.

Stendal. „Wenn man es so sehen will, sind wir tatsächlich wirtschaftlich noch immer ein Stück weit Entwicklungsland“, gibt Carsten Wulfänger unumwunden zu. In den Ranglisten liegt der Landkreis Stendal regelmäßig weit hinten.

Ein Wirtschaftsmagazin hatte das Gebiet vor einiger Zeit in Sachsen-Anhalt sogar zum Schlusslicht gemacht und bundesweit fast an das Ende gestellt. Der Landrat möchte das ändern und setzt dabei verstärkt auf die hauseigene Wirtschaftsförderung. Allein auf die ökonomischen Effekte des Autobahnbaus zu hoffen, reiche nicht aus. „Die großen Rahmenbedingungen schaffen natürlich andere. Doch die Kreisverwaltung leistet mehr, als so mancher Bürger denkt“, meint der Christdemokrat und verweist als Erstes auf die von seinen Mitarbeitern geführten Familiencoachs, die an der Basis regelrechte Aufbauarbeit leisteten.

Die Familienbetreuer haben binnen zweier Jahre fast 100 Menschen in bezahlte Arbeit gebracht. Mehr als 20 Betriebe im Landkreis haben sich für ausgewählte junge Familien und deren besondere Ansprüche in Ausbildung und Förderung geöffnet. „Das Ganze kann sich sehen lassen, finde ich. Die Arbeitslosenquote beträgt bei uns 13 Prozent und mehr. Da zählt nun wirklich jeder Bürger, der eine neue Perspektive erhält.“ Das Förderprogramm des Landes ist bis Mitte 2015 verlängert worden. Landrat und Wirtschaftsförderer hoffen auf mehr. „Wir haben ein starkes Interesse daran, dass es bis mindestens 2020 läuft. Es handelt sich um ein Instrument, das sich ohne Umschweife zielgenau einsetzen lässt. Selbstverständlich ist dies nicht.“

Für das Programm „Aktiv zur Rente plus“ haben Wulfängers Wirtschaftsförderer ebenfalls den Hut auf. Für insgesamt circa drei Millionen Euro könnten 200 Menschen speziell gefördert und gefordert werden. Die Initiatoren denken dabei in erster Linie an Langzeitarbeitslose. Der „Regio-Coach“, in diesem Falle eine Frau, half bis zum Ende der Initiative im Juli kleinen und mittleren Unternehmen, den Fachkräftemangel ausbügeln. Die Firmen-Trainerin unterstand zwar der Investitionsbank des Landes, saß aber im Stendaler BIC und arbeitete mit den Kreis-Wirtschaftsförderern zusammen. Dieselbe Adresse hat das Ego-Piloten-Netzwerk.

Von Marco Hertzfeld

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