Zerstörungswut in öffentlichen Toiletten / Das Aus einzelner Anlagen für Verwaltung kein Tabu

Stadt Stendal spült gegen Randalierer an

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Die Stadt hat die Nase voll. Wie hier an Winckelmannplatz und Priesterstraße sieht es auch in anderen Toiletten aus. Mögen die Anlagen auch regelmäßig gesäubert werden, haben doch Schmierfinken ihre Spuren hinterlassen, sogar an der Decke. Zerstörungswütige toben sich zudem regelmäßig am spärlichen Inventar aus. Kurios: Die Toilette auf dem Friedhof sei eine ruhige Ausnahme.

Stendal. Einheimische und Touristen müssen um die öffentlichen Toiletten in Stendal fürchten. Grund dafür ist die ungebremste Zerstörungswut in den Bedürfnisanstalten.

Schließungen seien aktuell zwar nicht vorgesehen, jedoch könne das Aus einzelner Anlagen aufgrund ständiger Vandalismusschäden zukünftig nicht mehr ausgeschlossen werden, kündigt Stadtsprecher Klaus Ortmann an. Fünf öffentliche Toiletten sind momentan im Stadtgebiet vorhanden, zuzüglicher einer auf dem Stendaler Friedhof und einer Miettoilette am Abenteuerspielplatz im Stadtforst. „In den vergangenen 20 Jahren ist die Versorgung in etwa gleichbleibend. “.

Die restlichen Toiletten stehen am Winckelmannplatz, an der Hospitalstraße in Höhe Tangermünder Tor, am Uenglinger Tor, vor dem Bahnhofsgebäude und im Tierpark. Ortmann weiß von eingeschlagenen Fenstern, ausgehangenen Türen, Graffiti, abgetretenen Abflüssen und zerstörten Wasserhähnen. Auch wenn Vandalismus die Stadt 2015 nicht ganz so viel wie in den Jahren zuvor gekostet hat, musste sie für die bloße Unterhaltung der Anlagen mehr als 10 000 Euro ausgeben. Die Kosten für Reinigung und Bewirtschaftung kommen noch hinzu. Ortmann: „Die öffentlichen Toiletten werden durch städtisches Personal gereinigt. Dafür sind täglich, auch am Wochenende, circa zweieinhalb Stunden Arbeitszeit erforderlich.“

Trotz der Widrigkeiten will die Kommune grundsätzlich an dem Angebot festhalten. „Wir erachten diese Einrichtungen für notwendig und sind in der Lage diesen Service anzubieten.“ Es sei natürlich von Vorteil, wenn eine Stadt gerade für auswärtige Besucher öffentliche Toiletten anbieten könne. Die Klosetts befinden sich nach Einschätzung der Verwaltung in einem guten hygienischen und baulichen Zustand. Grundhafte Sanierungen einzelner Standorte oder gar zusätzliche Anlagen sind momentan nicht vorgesehen. Stendals öffentliche Toiletten sind jeden Tag von 7 bis 18 Uhr geöffnet.

Die schon fast altehrwürdige Anlage am Schützenplatz, auf dem etliche Veranstaltungen stattfinden, ist seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb, die Einrichtung wurde inzwischen auch komplett demontiert. Einige Hundert Meter weiter am Winckelmannplatz soll es übrigens einmal eine unterirdische Toilette gegeben haben, ein Stück Stadtgeschichte. Die einzige gebührenpflichtige Toilette ist die am Bahnhof. 30 Cent müssen dort bezahlt werden. „Seitdem die Münzautomaten in den anderen Toiletten entfernt wurden, ließen die ständigen Fälle von Vandalismus etwas nach.“ Ein Phänomen, das Ortmann nicht weiter kommentiert.

Von Marco Hertzfeld

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