Trotz Jubiläumsfeier gibt es Personalsorgen für die Zukunft

Sozialstation Süd in Stendal: „Mit einem Trabi ging es los“

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Im kommenden Jahr soll das Pflegegesetz grundlegend geändert werden. Davon ist auch die Sozialstation Süd in Stendaö betroffen, die Probleme bei der Akquise von neuem Personal hat.

Stendal. Auf ein Vierteljahrhundert im aktiven Pflegedienst blickten die Beschäftigten der Sozialstation Süd in Stendal am Mittwoch im Rahmen einer Feierstunde zurück.

Sie sind für Menschen da, die im Falle von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit in der häuslichen Umgebung verbleiben wollen. Aus den etwa acht Mitarbeitern im März 1991 sind mittlerweile 55 Angestellte und vier Auszubildende geworden. Doch die geschäftsführende Gesellschafterin Ines Dehmel weiß trotz des fröhlichen Anlasses von den Problemen in der täglichen Arbeit.

„Es ist richtig schwer, Personal zu bekommen“, sagt Dehmel im AZ-Gespräch, „es gibt zwar junge Menschen, die sich für die Arbeit in der Pflegebranche interessieren. Aber wenn es dann an die Praxis geht, sieht es oft schon wieder ganz anders aus.“ Dabei handele es sich durchaus um eine Branche mit Perspektive. Ab dem kommenden Jahr trete zudem ein neues Gesetz in Kraft, welches die Pflegeversicherung erneuern soll. Inhalt des Gesetzes ist, dass aus den bisher vorhandenen drei Pflegestufen künftig fünf Pflegegrade werden sollen. „Dadurch können wir noch mehr Leistungen anbieten. Aber wir werden dafür auch noch mehr Personal benötigen“, so Dehmel. Mit ihren aktuellen Mitarbeitern zeigt sich die Gesellschafterin sehr zufrieden. „Rund die Hälfte unserer Angestellten ist schon über zehn Jahre bei uns.“

Im Umgang mit städtischen Einrichtungen wünscht sich Dehmel zudem mehr Flexibilität. Soll heißen: Junge Mütter, die für die Sozialstation Süd arbeiten, müssen ihre Arbeitszeit oft nach den Betreuungszeiten in städtischen Kitas einteilen. Können deren Kinder dort nicht lang genug betreut werden, fallen die Mütter wiederum in der Sozialstation aus. „Und wenn wir zwei oder drei Muttis verlieren, ist das keine schöne Sache“, so die Chefin der Sozialstation.

Für die Zukunft hat Ines Dehmel einen Wunsch: „Ich möchte, dass sich mehr Menschen für die Arbeit in der Pflegebranche begeistern.“ Sie selbst nahm ihre Arbeit im Jahr 1992 auf. Damals noch nicht in der Villa am Dahrenstedter Weg, sondern in einer alten Apotheke an der Lübecker Straße. „Damals hatten wir nur drei Diensttouren. Mittlerweile haben wir 22 Frühdienst- und vier Spätdiensttouren“, resümiert die Gesellschafterin. Auch der Fuhrpark ist im Laufe der Jahre gewachsen. 28 Kleinwagen stehen den Mitarbeitern zur Verfügung. „Damals ging es mit einem Trabi los.“ Im Jahr 1997 ließ sich Dehmel zur Pflegedienstleiterin ausbilden und war danach lange Stellvertreterin. Im Jahr 2005 übernahm sie dann das Amt ihrer Vorgängerin.

Von Mike Höpfner

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