Zu wenig Geld für insgesamt 48 Objekte

Stendals Brückenbauer sieht am Brückentag viel Arbeit

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Mit einem Vorhängeschloss an einer Brücke wie hier in Stendal wollen Paare symbolisch ihre ewige Liebe besiegeln.

Stendal. Es muss ja nicht immer der Chef sein, der sich dank eines sogenannten Brückentages eine extra lange Zeit ohne die Kollegen baut und ausspannen kann.

Thomas Müller, der für die Brücken und Straßen des Landkreises Stendal verantwortlich ist, lässt dieses Jahr anderen den Vortritt und geht zwischen Christi Himmelfahrt und dem Wochenende zur Arbeit. Für die AZ allemal eine gute Gelegenheit, um den Herrn der Überführungen einmal zu fragen, wie es den Brücken in östlicher Altmark und Elbe-Havel-Winkel denn eigentlich momentan so geht.

Interview

Wie sehr müssen sich Bürger um ihre Brücken sorgen?

Den Brücken im Landkreis Stendal geht es gut, Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Wir haben 48 Brücken und geben im Regelfall circa 80 000 Euro im Jahr dafür aus. In diesem Jahr planen wir aber, etwas mehr auszugeben.

Aha, der Landkreis hat Geld übrig, wo ist was und für wann geplant?

Na ja, Geld übrig haben wir nie. An der Brücke über die ICE-Strecke bei Hämerten im Zuge der Kreisstraße 1036 von Tangermünde nach Arneburg stehen dieses Jahr Sanierungsarbeiten an. Wir widmen uns den sogenannten Betonkappen, also den Gehwegen auf der Brücke, und den Fugen. Alles darf etwa 130 000 Euro kosten.

Das hört sich nach einer Menge Arbeit an, wann geht es denn los?

Genau lässt sich das noch nicht sagen. Die Arbeiten werden zeitgleich mit einer Hochwasser-Maßnahme, dem Ausbau der K 1036 von Tangermünde bis Hämerten, laufen, weil dadurch der Verkehr komplett über Stendal umgeleitet werden muss. So kann man die großräumige Umleitung ausnutzen und auch die Brücke sperren. Wir wollen aber auch die Fahrbahndecke in der Ortsdurchfahrt Storkau sanieren. Dort waren nach einem Bundeswehrmanöver Schäden entstanden. Die Ausschreibung für alle drei Maßnahmen wurde bereits veröffentlicht.

Es gibt Hunderte Brücken und Überführungen im Landkreis, der Landkreis ist nicht für alle zuständig. Wo steht Ihr größtes Sorgenkind?

13 Brücken sind aktuell mit Zustandsnote 3 oder etwas mehr hinter dem Komma eingestuft. Die Noten gehen von 1 bis 4, wobei 4 die sofortige Sperrung bedeutet und zudem auf einen Abriss hinausläuft. Also habe ich sozusagen 13 Sorgenkinder. Kritisch sind immer die Brücken, für die es im Falle einer notwendigen Sperrung keine Umleitung gibt.

Nennen Sie bitte ein paar Beispiele?

Wir haben deshalb zum Beispiel nacheinander alle vier Brücken im Zuge der Kreisstraße 1020 von Seehausen über Falkenberg und Lichterfelde nach Wendemark in Angriff genommen. Diese vier Brücken wurden 1903 gebaut. Als die erste Brücke vor Falkenberg gesperrt werden musste, haben wir extra eine Behelfsbrücke installiert, damit der Verkehr zwischen den Orten nicht zum Erliegen kommt. Bitte nicht vergessen: Es geht ja auch immer um den Schülerverkehr.

In Osterburg und Umgebung soll es noch einiges zu tun geben, was heißt das?

Nach den Finanzplanungen des Landkreises soll jährlich eine Brücke neu gebaut werden. Wir beginnen jetzt mit den Planungen für die erste der beiden Brücken im Zuge der K 1071 von Osterburg nach Dobbrun. Auch hier würde es mit der Erreichbarkeit von Dobbrun Probleme geben, wenn sich der Zustand der Brücken dramatisch verschlechtern würde. Finanziert werden die Brücken nach dem Gesetz von Investitionen des kommunalen Straßenbaus. Der Landkreis erhält demnach in diesem Jahr 2,6 Millionen Euro, die hälftig zwischen Kreisstraßen und Gemeindestraßen, also je 1,3 Millionen Euro, aufgeteilt werden. Mit diesen Mitteln können wir jedes Jahr eine Straße und eine Brücke bauen.

Sonderlich viel Geld scheint es unterm Strich also wirklich nicht zu geben. Wo wird denn aktuell gebaut?

28 unserer Brücken sind neu, allerdings sind drei davon noch nicht ganz fertig. Die Brücke bei Kabelitz ist fast vollendet. Der Brücke bei Demker fehlen noch die Kappen und die Straßenanpassung. Und an der Brücke bei Lichterfelde wurden die Widerlager bereits fertiggestellt. Nun folgt die Einschalung des Brückenoberbaus.

Wo steht denn eigentlich Ihre Lieblingsbrücke?

Ich denke, es ist die Brücke bei Wahrenberg. Mit ihrer Spannweite von fast 50 Metern wirkt sie schon recht ansehnlich, wenn man darunter steht.

Fledermäuse fühlen sich unter Brücken wohl, heißt es jedenfalls. Wo haben Sie denn schon einmal Flattertiere unter einer Brücke hängen oder fliegen sehen?

Damit kann ich nicht dienen. Fledermäuse haben wir unter unseren Brücken noch nicht gesehen.

In Stendal hängen an einer kleinen Uchtebrücke jede Menge Liebesschlösser. Gibt es noch weitere solcher Brücken, die auch fürs Zwischenmenschliche stehen?

Unsere Geländer eignen sich nicht für Liebesschlösser. Außerdem sind die meisten Brücken auf freier Strecke und somit doch sicherlich eher unattraktiv für Liebespaare.

Wo befindet sich die wahrscheinlich älteste Brücke im Landkreis und wie lange darf diese noch stehen bleiben?

Die älteste Brücke ist die Bogenbrücke bei Ferchlipp, erbaut circa 1900. Sie muss noch ein paar Jahre durchhalten.

Inwieweit kann der Denkmalschutz für Brücken eine Rolle spielen?

Der Denkmalschutz spielt bei unserer Arbeit weniger eine Rolle, da die Brücken funktional sind und meist außerorts und damit unabhängig von der Bebauung.

Sie haben so viel mit diesen Bauwerken zu tun, wie oft träumen Sie in der Nacht von irgendeiner Brücke?

Brücken werden erst dann schmerzlich vermisst, wenn sie gesperrt werden müssen. Bis dahin werden sie benutzt, aber eine schmale Straße mit Sommerweg kann die Gemüter schneller erregen, wenn sich ihr Zustand negativ verändert. Dabei sollte eine Brücke in ihrer 80- bis 100-jährigen Lebenszeit circa ein Drittel ihrer Herstellungskosten für die Instandsetzungen und Sanierungen verbrauchen, damit sie ihre geplante Lebenszeit überhaupt erreicht. Ich hoffe, dass diese Mittel zu gegebener Zeit zur Verfügung stehen.

Wo verbringen Sie den Brückentag zwischen Himmelfahrt und Wochenende?

Ich gehe arbeiten. Wir sind ein kleines Amt und fast alle wollen freinehmen. Man ist dann auch mal dran.

Von Marco Hertzfeld

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