Hiphop-Workshop für deutsche Jugendliche und unbegleitete Flüchtlinge im Berufsbildungswerk

„Sie sind gar nicht so verschieden“

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Wo sich die Jugendlichen, teils unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, an den Instrumenten momentan noch ausprobieren, soll bis zum Ende dieser Woche ein fertiger Song entstanden sein. Streetworkerin Kathrin Musold (l.) ist zuversichtlich.

Stendal. Der Rhythmus von Bongo-Trommeln, elektrische Klänge aus dem Synthesizer oder gezupfte Akkorde auf der Gitarre – die Geräuschkulisse im vierten Stock des Berufsbildungswerkes ist bunt. Und passt damit gut zu jenen, die für den Klangteppich verantwortlich sind.

Rund 20 Jugendliche, zur Hälfte unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge (UMF), beteiligen sich dort in dieser Woche an einem Hip-hop-Workshop. Das erklärte Ziel: Am Ende soll ein Song geschrieben und aufgenommen sein. Dazu soll es ein Musikvideo auf DVD geben.

„Wenn die Berührungsängste erst einmal überwunden sind, merken die Jugendlichen oft, dass sie gar nicht so verschieden sind, wie sie teilweise denken“, sagt Streetworkerin Kathrin Musold. Die unbegleiteten, ausländischen Jugendlichen sind auch im Wohnheim des Bildungswerkes untergebracht. „Sie rappen in verschiedenen Sprachen, meist aber in der Muttersprache“, sagt Musold im AZ-Gespräch.

Die Sprachbarriere sei zudem eines der zentralen Probleme des Workshops. „Aber zum Glück haben wir einen ausländischen Jugendlichen, der schon seit vielen Jahren hier lebt und uns unterstützt“, berichtet Sozialpädagogin Karin Rühlmann. Sie zeichnet zusammen mit Musold für den pädagogischen Teil des Projektes verantwortlich. Denn nicht nur die persönlichen Hintergründe der ausländischen Teilnehmer stellen für die Betreuer eine Herausforderung dar. „Die deutschen Jugendlichen sind in ihrer Intelligenz gemindert und kommen teilweise aus sehr prekären familiären Verhältnissen“, so die Sozialpädagogin. Es sei oft schwierig, den jungen Menschen beim Überwinden der kulturellen Unterschiede zu helfen und sie von Beginn an für ein Projekt wie dieses zu begeistern. „Aber irgendwann legt sich bei denen ein Schalter um und dann funktioniert es auf einmal nahezu problemlos“, so Kathrin Musold.

Musold und Rühlmann haben bereits Erfahrung mit Projekten dieser Art. Im Mai gab es bereits einen Graffiti-Workshop für junge Menschen deutscher und ausländischer Herkunft. Über den künstlerischen Anspruch hätten die Teilnehmer es geschafft, die Sprachbarriere zu überwinden. Für die künstlerische Gestaltung im Hiphop-Workshop sorgt Oliver Murawski. Er studiert im letzten Semester Rehabilitations-Psychologie. „Ich mache solche Projekte jetzt schon seit rund vier Jahren“, berichtet Murawski. Er schaue auf die Texte der Jugendlichen und kontrolliere den allgemeinen Ablauf. „Aber es besteht die Tendenz, dass sich jeder in seinem Tempo entwickelt.“ Murawski würde sich für die Zukunft jedoch längerfristige Projekte wünschen. Das Hip-hop-Projekt ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ und wird darüber gefördert.

Von Mike Höpfner

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