Verkehrswächter setzt auf Einsicht und lehnt Führerscheingrenze ab

Senioren ausgebremst: „Das ist doch kein Alter“

+
Glück im Unglück: Der Fahrer ist nur leicht verletzt.

Buch. „75 Jahre der eine, 61 Jahre der andere? Das ist doch kein Alter“, meint Bruno Zowada, selbst knapp über die 70, amüsiert. Schnell findet der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht einen ernsteren Ton.

Autofahrern in einem gewissen Alter „sozusagen von Staats wegen“ die Fahrerlaubnis wegzunehmen, damit kann sich der Stendaler überhaupt nicht anfreunden. „Ich weiß, dass wird immer wieder einmal populistisch gefordert, vermutlich von Jüngeren, aber wir setzen lieber auf Aufklärung, Fahrtraining und das Verantwortungsgefühl eines jeden Menschen, anderen und auch sich selbst gegenüber. “ Am Mittwochnachmittag hat es an der Köckter Kreuzung der L 31 gekracht, zwei Senioren waren in den Unfall verwickelt.

„Da fängt es doch schon an, wer ist ein Senior und wer nicht, wer darf noch fahren und wer nicht?! Eine Grenze zu ziehen, wäre schwierig und auch rechtlich fragwürdig. Sicherlich zählen ältere Menschen zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern.“ Nicht zuletzt das Reaktionsvermögen lasse nach. Doch einen Arzt irgendwann über das Schicksal jedes Fahrers entscheiden zu lassen, sei ja auch nicht ganz unumstritten. „Augen und Ohren können gut getestet werden, doch bei Herz und Kreislauf gibt es immer ein Risiko, da kann es fast jeden erwischen, im schlimmsten Fall eben beim Autofahren.“

Sofern über 64-Jährige als Pkw-Fahrer an einem Unfall beteiligt sind, tragen sie in zwei Drittel (67,1 Prozent) der Fälle die Hauptschuld, bei den 75-Jährigen und älteren sind es 75,1 Prozent. Die häufigsten Unfallursachen bei den Senioren sind Vorfahrtsfehler (17,1 Prozent) sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (16,5 Prozent). So sehen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus, von der Deutschen Verkehrswacht im Internet näher beschrieben.

Die Verkehrswacht bereitet gerade eine Informationsveranstaltung für ältere Fahrer vor, die am 20. Oktober ab 11 Uhr auf dem Flugplatz in Borstel stattfinden soll. Ein regelrechtes Fahrtraining für Senioren soll es am 28. Oktober ab 9 Uhr an derselben Stelle geben. „Das ist ein guter Ansatz.“ Der oberste Verkehrswächter im Landkreis möchte das Zepter allmählich an einen anderen abgeben. „Im Dezember werde ich 72. Ich komme in ein gewisses Alter“, meint Zowada und lacht. Der Stendaler hat übrigens selbst keine Fahrerlaubnis und hat auch nie eine besessen. „Jeder Mensch hat eine Schwäche, das ist meine.“

Bei dem Unfall am Mittwoch kollidierte ein Ford Mondeo auf der L 31 mit einem Skoda, dessen Fahrer (75) quer rüber in Richtung Köckte wollte. Der Ford schleuderte, überschlug sich und kam im Straßengraben zum Stehen. Der Fordfahrer ist der Polizei zufolge leicht verletzt worden. Beide Pkw sind erheblich beschädigt.

Von Marco Hertzfeld

Kommentare