Verarbeiten von Traumata rückt immer mehr in den Fokus

Der schwere Rucksack der Flüchtlingskinder

„Menschen im Wasser“ zeichnete ein fünfjähriger Junge, der in Afghanistan geboren wurde – seine Art des Verarbeitens schlimmer Erlebnisse.

Stendal. Ein Junge, geboren in Afghanistan, beschäftigt sich mit anderen Kindern verschiedener Nationen mit dem Thema Frühling.

Während seine Altersgenossen Punkte und Linien in regelmäßigen Abständen mit bunten Stiften auf das ovale Papier bringen, zeichnet der Fünfjährige Strichmännchen und Wellen. Es seien „Menschen im Wasser“. Befinden sich diese Menschen auf einem Boot? „Nein. “ Schwimmen sie im Wasser? Der Junge möchte in diesemMoment nicht darüber sprechen. Er gehört zu jenen Kindern, die schon viel Leid in ihrem Leben erleben mussten.

Trauerbewältigung, der Umgang mit Traumata – das sind Themen, mit denen sich die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen um Ines Ranke, Leiterin der Bildungs- und Begegnungsstätte „Amicus“ des Deutschen Roten Kreuzes in Stendal, im Wohngebiet „Stadtsee“ immer mehr auseinandersetzen müssen. Das passiert neben der alltäglichen Integrationsarbeit in den Räumen an der Stadtseeallee 106 und 96.

„Die Flüchtlingskinder tragen im übertragenen Sinn einen großen Rucksack mit sich herum.“ Einen, der zum Beispiel über kreative Arbeit leichter werden soll. In einer nahezu normal anmutenden Malstunde kann es dann zu jener anfangs beschriebenen Situation kommen. Es sind aber auch die verständlichen Ängste der Eltern, die lernen müssen, damit umzugehen.

„Wir wollten mit einer Gruppe schwimmen gehen“, erzählt Ranke. Ein Vater habe partout verhindern wollen, dass seine Tochter mitkommt. Das DRK-Team vermutete zunächst Bedenken wegen religiöser Hintergründe. Doch es ging es nicht um das Bedecken der Haut. Die Tochter hatte erlebt, wie ein anderes Kind während der Flucht ins Wasser fiel ...

Von Alexander Postolache

Kommentare