Alternative für geplagte Eigentümer: Kunstnester auf hohem Pfahl

„Schwalbenhotels“ längst auch auf dem Land gefragt

+
Schwalben

Behrendorf. „Mehl- und Rauchschwalben leisten in den Dörfern einen wichtigen Beitrag für die Lebensqualität der Menschen, denn sie ernähren sich ausschließlich von fliegenden Insekten“, appellieren Experten des Naturschutzbunds alle Jahre wieder.

Im Fenstersturz unvermieteter Wohnungen des Altneubaublocks in Behrendorf haben Schwalben Nester gebaut. Die Vögel finden nun auch in den Dörfern kaum noch Platz.

Aber die Hinterlassenschaft der Vögel sind der Verdruss vieler Hausbesitzer. Die Fassade wird verschmutzt, deshalb werden bei Haussanierungen Nester entfernt, häufig widerrechtlich. Auch schmutzabweisende Fassadenfarben verhindern den Neubau der Lehmnester.

Wohl fühlen sich die Vögel auch am Wohnblock in Behrendorf. Ihre Nester finden sich in den Fenstern unvermieteter Wohnungen, während dort die Nachbarschaft versucht, das Nisten mit Hilfe von Plastikbändern zu verhindern. Altmärker, die für die Schwalben Tür und Tor öffnen, werden vom Nabu regelmäßig ausgezeichnet. Vergeben wird dann die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“, wie dies zuletzt im Juli 2012 bei zwei Familien der Bismarker Region in dem Dörfern Berkau und Büste der Fall war (die AZ berichtete).

Immer wieder kommt es allerdings dazu, dass Schwalbennester von Hauswänden abgeschlagen werden, obwohl diese Art von Selbsthilfe nach dem Bundesnaturschutzgesetz untersagt ist. In diesen Fällen gilt dann meist: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber es gibt inzwischen auch Hausbesitzer, die spezielle Kotbrettchen unter dem Nest montieren. Meist sind aber mehrere Brettchen nötig, weil die geselligen Schwalben am liebsten in Kolonien nisten. Und weil nicht jeder Hausbesitzer Nägel in seine Fassade schlagen will, sind Kotbrettchen, die an Dachsparren verschraubt werden können, eine Alternative. Nicht zuletzten können künstliche Nester installiert werden. Solche „Schwalbenhotels“ sind überdachte, mehrstöckige Minivillen, die auf einem hohen Pfahl stehen. Sie bieten Platz für mehr als 50 Kunstnester. „Auch in ländlichen Gebieten finden Schwalben in den oft nach städtischem Muster angelegten Ziergärten kein Baumaterial mehr für ihre Nester. Man kann den sympathischen Dauer-Zwitscherern aber durch eine stets feucht gehaltene Lehmpfütze helfen“, raten die Nabu-Experten.

Von Antje Mahrhold

Kommentare