Ermittlungen wegen der Vernichtung von 77 Sparkassen-Akten eingestellt

Sparkassen-Skandal: Schredderei bleibt ohne Folgen

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Der ominöse Weinkeller im Haus der Stendaler Kreissparkasse gehört zu den Sachverhalten, mit denen sich das Gericht aktuell befasst. Die Bank klagt gegen ihren Ex-Vorstandsvorsitzenden, der wiederum gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Stendal. Bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg wird vermutlich niemand mehr zur Verantwortung gezogen, weil dort im Frühherbst 2014 Originalunterlagen der Kreissparkasse Stendal aus Versehen geschreddert worden waren.

Eine entsprechende Strafanzeige wurde jetzt zu den Akten gelegt, das Ermittlungsverfahren eingestellt. Dem Beschuldigten habe keine strafbare Handlung nachgewiesen werden können, heißt es in der Begründung.

Die 77 Akten, die die Stendaler Sparkasse der Magdeburger Staatsanwaltschaft übergeben hatte, waren dort „aus Versehen“ geschreddert worden. Das wird wohl folgenlos bleiben.

Die 77 geschredderten Akten enthielten Details, die für die laufenden Prozesse in Sachen Stendaler Sparkassen-Skandal von Bedeutung gewesen wären. Dennoch stellt der Verwaltungsrat der Bank weitere Weichen, um den fristlos gekündigten Ex-Vorstandsvorsitzenden Dieter Burmeister zur Verantwortung zu ziehen. Er soll dem Kreditinstitut unter anderem durch Scheinrechnungen und mysteriöse Vergaben von Bauleistungen einen Millionen-Schaden verursacht haben. Ab sofort dürfen alle ehemaligen und aktuellen Verwaltungsratsmitglieder der Sparkasse vor Gericht aussagen. Sie wurden, wie berichtet, von ihrer Verschwiegenheitspflicht entbunden.

Hart bleiben will die Sparkasse, was Burmeisters Klage gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber betrifft. Der Ex-Vorstandschef klagt gegen seine Kündigung und will Rentenbezüge haben. Die können ihm verwehrt werden, wenn ein Grund für seine fristlose Kündigung vorliegt. Nun muss das Gericht klären, ob Burmeisters „schwerwiegende Pflichtverletzung“, wie es Aufsichtsratsvorsitzender Landrat Carsten Wulfänger und der neue Vorstandsvorsitzende Jörg Achereiner nennen, ein Kündigungsgrund ist.

Von Ulrike Meineke

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