Schon morgens Bier oder Schnaps

Stefan M. soll einem Trinkkumpanen den Schädel eingetreten haben

Stendal. Wenn sich mehrere Männer zum exzessiven Alkoholkonsum in einer Wohnung treffen, kann das schon einmal ausarten. So geschehen etwa im Fall des 42-jährigen S. Sein Trinkkumpan Stefan M. soll im September 2013 mehrmals auf ihn eingetreten haben.

Das Resultat des durchzechten Abends lautete daher: Schädeldachfraktur mit Einblutungen im Gehirn. Vom Stendaler Amtsgericht bereits zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, kämpfen Stefan M. und sein Verteidiger Matthias Hildebrandt im Berufungsverfahren für ein geringeres Strafmaß.

Aus dem Gericht

Ein gestern vernommener Zeuge benötigte für seine Aussage einen Zeugenbeistand in Form von Rechtsanwältin Heidrun Ahlfeld. Dem 41-Jährigen W., war nicht klar, dass er sich überhaupt zu dem Sachverhalt äußern muss. Die Frage des Vorsitzenden Richters Gundolf Rüge, wie denn damals sein Verhältnis zu Alkohol gewesen sei, beantwortete W. lapidar mit „Sehr gut“. Der 41-Jährige sitzt derzeit im Bernburger Maßregelvollzug und war nach eigenen Angaben zur Tatzeit schwerer Alkoholiker. „Ich hab schon morgens angefangen zu trinken. Mit dem, was noch auf dem Tisch stand, meistens Bier oder Schnaps“, so W. An den Tathergang konnte er sich nur bruchstückhaft erinnern. Mit dem Opfer S. sei er gut befreundet gewesen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt außerdem gegen W. wegen uneidlicher Falschaussage. Bei seiner Vernehmung vor dem Amtsgericht gab er an, nur gesehen zu haben, wie Stefan M. das Opfer auf einem Stuhl nach hinten gestoßen haben soll. Im Rahmen der polizeilichen Erstvernehmung hatte W. sich jedoch umfassend zum Tatgeschehen äußern können. Die Staatsanwaltschaft glaubte daher seiner Aussage vor dem Amtsgericht nicht.

Ein weiterer Zeuge, der der Zusammenkunft im September 2013 beigewohnt haben soll, erschien trotz Ladung nicht zu seiner Vernehmung. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits die Anordnung einer Beugehaft angeregt, als der Angeklagte Stefan M. der Kleinen Strafkammer einen Hinweis gab. Er verwies auf die Betreuerin des abwesenden Zeugen, die eventuell Kenntnisse über dessen Verbleib besitzen könnte. Nach einer 20-minütigen Unterbrechung präsentierte Richter Rüge das Ergebnis des Telefonats mit der Betreuerin. „Der Zeuge K. befindet sich aufgrund einer Alkoholentwöhnung noch bis Ende des Monats in einer Magdeburger Fachklinik“, so Rüge.

Der Prozess wird am Montag, 31. August, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

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