23-Jähriger soll verbotene Symbole auf ein Denkmal gesprüht haben / Zeuge belastet ihn

Schmierereien stiften Verwirrung

An das Robert-Dittmann-Denkmal auf dem Friedhof an der Osterburger Straße soll ein 23-Jähriger im August vergangenen Jahres nationalsozialistische Symbole gesprüht haben. Foto: Postolache

Stendal. „Einige Ungereimtheiten“ sind laut Richter Gundolf Rüge mit dafür verantwortlich, dass ein Berufungsverfahren gegen einen 23-jährigen Stendaler umfangreicher sein wird als angenommen. Dem Angeklagten W.

wird vorgeworfen, im August 2014 Hakenkreuze und SS-Runen unter anderem an das Robert-Dittmann-Denkmal auf einem Stendaler Friedhof gesprüht zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat, aber ein Zeuge belastete ihn in der gestrigen Auftaktverhandlung schwer.

aus dem gericht

„Erinnern kann ich mich zwar nicht, aber ich war nicht auf dem Friedhof und habe da irgendwas angesprüht“, so der Beschuldigte, der ohne rechtlichen Beistand zur Vernehmung antrat. Sowohl der Angeklagte wie auch der 18-jährige Zeuge seien an jenem Tag zu Fuß an der Osterburger Straße unterwegs gewesen. Dort hätte der Beschuldigte eine Sprühdose mit rotem Lack gefunden und an sich genommen. „Er hat sich die Sprühdose einfach geschnappt. Ich habe damit nichts zu tun“, so der Zeuge, der zurzeit in der Raßnitzer Jugendanstalt einsitzt. Der 23-Jährige habe zunächst Straßenschilder und eine Parkbank mit den verbotenen Symbolen beschmiert.

W. unterstellte dem Zeugen, ihn nur deswegen zu belasten, „weil er es vielleicht selbst gewesen ist.“ Das Amtsgericht Stendal verließ sich mit seinem Urteil vom 4. Mai 2015 jedoch auf die Aussagen des 18-Jährigen und verurteilte den mehrfach vorbestraften W. zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je elf Euro.

W. gab gestern zudem an, den Zeugen nur vom Namen her zu kennen. Dem widersprach der 18-Jährige. „Wir haben schon öfters was zusammen gemacht. Er hat auch ein paar Mal bei mir zu Hause genächtigt und mir ein Fahrrad geklaut“, so der Zeuge. Den Vorschlag Rüges, den Prozess mit einem Geständnis zu verkürzen, lehnte W. ab.

Hinzu kommt, dass der Angeklagte in der Zwischenzeit bereits für eine weitere Straftat verurteilt wurde. Weil er unter dem Einfluss von Amphetaminen einen Verkehrsunfall verursacht haben soll, verurteilte ihn das Amtsgericht Haldensleben zu 1000 Euro Geldstrafe, welche mit der aktuellen Strafe zusammen abgeurteilt werden soll. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

Kommentare