Vorwurf: Nötigung und Tragen verfassungsfeindlicher Kennzeichen

Liebeskummer: Wohnung und "eigene Sachen" zerstört

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Ein Mann aus dem Landkreis Stendal wurde bereits in diesem Jahr am Amtsgericht zu neun Monaten Haft verurteilt. Der Fall wird nun erneut am Landgericht verhandelt, da der 32-Jährige in Berufung ging.

Stendal. Einen langen Atem musste Gundolf Rüge, vorsitzender Richter am Landgericht Stendal, beweisen. Diebstähle, Körperverletzungen, Raub, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Beleidigung, Sachbeschädigung in acht Fällen sowie der Besitz und Anbau von Betäubungsmitteln stehen im Vorstrafenregister des Angeklagten aus dem Landkreis Stendal.

Damit nicht genug: Der Mann, Jahrgang 1983, war gestern am Landgericht erschienen, um gegen das verhängte Urteil des hansestädtischen Amtsgerichtes in Berufung zu gehen. Dieses hatte am 12. April 2016 Recht in Bezug auf einen Fall von Nötigung sowie in Sachen der Verwendung von Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation gesprochen. Gegen den Angeklagten habe damals das Vorstrafenregister, die laufenden Bewährungsauflagen sowie eine verhängte Geldstrafe gesprochen. Letztere, verhängt an einem Gericht in Erfurt, musste der 32-Jährige zahlen, da er schon einmal mit verfassungswidrigen Kennzeichen erfasst worden war.

Aus dem Gericht

Die aktuellen Vorwürfe, die nun wieder aufgerollt werden, gehen auf den 17. und 20. Juli 2015 zurück: Zum einen soll er einer Frau ins Gesicht gefasst haben, diese in ihre Wohnung geschubst und das Entkommen dieser Situation in deren Wohnzimmer mit dem Versperren des Weges mit einer Couch verhindert haben.

Damals hatte er einen Bekannten auf einem Dorf nahe Stendal besucht. Die Nachbarin habe zu jenem Zeitpunkt geschrien. Dies galt der Tochter der Frau. Er habe dies als ungerecht empfunden, wollte die Frau zur Rede stellen und habe sich zudem gestört gefühlt. Jene rief nachdem er die Wohnung verließ und nach kurzer Flucht die Polizei.

Beamte wurden drei Tage später in Stendal alarmiert, als Nachbarn dort Lärm meldeten. Aus Liebeskummer habe der Angeklagte damals seine Wohnung und „nur meine eigenen Sachen“ zerstört. Auf dem Weg zum Altmarkforum wurde er gestellt. Im Lauf der polizeilichen Arbeit fielen zwei Tätowierungen am rechten Arm auf – Hakenkreuze. Zudem trug er dasselbe Symbol an einer Kette um den Hals. Laut Polizei sei der Anhänger, im Gegensatz zu den Tattoos, nicht durch sein T-Shirt verdeckt gewesen.

Der in dieser Hinsicht Vorbestrafte sagte, dass die Kette erst während der Kontrolle, als er sich zum Rucksack beugte, um seine Geldbörse zu suchen, herausgerutscht. Im Portemonnaie, in dem die Ausweispapiere sein sollten, fanden die Beamten damals einen weiteren szenetypischen Anstecker. Und erblickten im Rücksack einen Schlagstock.

Das Berufungsverfahren wird im September fortgesetzt.

Von Alexander Postolache

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