Wenn Spielvergnügen zu Frust wird / Versicherer übernehmen nicht alle Kosten

Schäden bei der Pokémon-Jagd: Greift da noch die Haftpflicht?

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Die Jagd kann teuer für Versicherte werden.

Altmark / Magdeburg. Der Pokémon-Hype treibt seit seiner Einführung auch in Sachsen-Anhalt die Freunde digitaler Spielvergnügen auf die Straßen. Doch die Jagd nach den virtuellen Fantasiewesen kann im realen Leben gefährlich werden.

Immer wieder gibt es Meldungen von Unfällen. Auch, wenn sicherlich nicht mehr alle, die zu Beginn des Spielewahns jede freie Minute nutzten, ihre Zeit auch heute noch mit dem mobilen Spiel verbringen.

Wie ist die Rechtslage? Dieser Frage gingen die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA) nach. Wer mit dem gezückten Smartphone durch die Stadt läuft, muss dennoch seine Umgebung und die Straßenverkehrsordnung im Blick behalten. Wer auf der Suche nach Pokémons die Fahrbahn betritt, eine rote Ampel missachtet oder offizielle Absperrungen überklettert, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Beim Auto- und Radfahren ist die Handy-Benutzung ohnehin tabu, anderenfalls drohen ebenfalls ein Bußgeld und bei Kraftfahrern noch ein Punkt in Flensburg.

Greift der Versicherungsschutz? Für Fußgänger gilt: Wenn ein abgelenkter Pokémon-Spieler versehentlich bei anderen einen Sach- und Personenschaden verursacht – zum Beispiel gedankenverloren über Nachbars Blumenbeet trampelt – zahlt seine private Haftpflichtversicherung. Hat er allerdings auf der digitalen Jagd mutwillig einen Zaun eingerissen, ist dieser Schaden vorsätzlich herbeigeführt und damit nicht von der Versicherung gedeckt.

Verletzt sich der Pokémon-Spieler selbst, braucht er eine private Unfallversicherung. Denn es handelt sich um einen Freizeitunfall, bei dem die gesetzliche Unfallversicherung keine Leistungen erbringt. Läuft er vor ein fahrendes Auto, greift zwar grundsätzlich die Kfz-Haftpflicht. Doch wenn der Fußgänger ins Spiel versunken über die Straße gegangen ist, ohne auf den Verkehr zu achten, kann ihm unter Umständen eine Mitschuld am Unfall nachgewiesen werden. Das kann dann die Versicherungsleistung mindern. Für Autofahrer gilt Folgendes: Verursacht ein Autofahrer einen Verkehrsunfall, weil er „nebenbei“ Pokémon gespielt hat, zahlt die Kfz-Haftpflicht für Schäden an Dritten.

Jedoch der eigene Versicherungsschutz aus der Vollkasko-Versicherung kann entfallen, wenn dem Autofahrer grobe Fahrlässigkeit wegen der Pokémon-Jagd am Fahrzeug-Lenkrad nachgewiesen wird.

Von Alexander Postolache

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